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K L A U S
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Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl von Interviews und Zeitungsartikeln über Klaus Hoffmann, seine Tourneen und sein Werk:
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"Frühling für den Liedermacher",
Artikel von Christian Seibt vom 20. Mai 2008,
Neue Presse Hannover
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Foto: Jim Rakete ![]()
"Wenn nur Liebe bleibt",
Artikel von "be" vom 24. Juli 2008,
Ingelheimer Wochenblatt
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"Chansons mit neuem Charisma",
Artikel von Caroline Jerchel vom 21. Juli 2008,
Allgemeine Zeitung (Mainz), Web
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"Ein großer Abend des Chansons, eine Hommage an Brel",
Artikel von Andreas Hofmann vom 1. Juli 2008,
Wetterauer-Zeitung (Gießen), Web
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"Ein Mann geht seinen Weg",
Artikel von Michael Köhler vom 4. Juni 2008,
Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Im Traum ist alles anders",
Artikel von "jsc" vom 30. Mai 2008,
Frankfurter Neue Presse
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"Liedermacher vom alten Schlag",
Artikel von Ferdinand Rathke vom 30. Mai 2008,
Offenbach-Post
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"Klaus Hoffmann in Saarbrücken: Geistreich und begeisternd",
Artikel von "kjs" vom 28. Mai 2008,
Saarbrücker Zeitung
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"Klaus Hoffmanns neue Leiden",
Artikel von Klaus-Peter Heß vom 25. Mai 2008,
Grevener Zeitung.de
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"Das Halali zum langen Abschied",
Artikel von Petra Haase vom 16. Mai 2008,
Lübecker Nachrichten, in: ln-online/lokales
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"Der Mann, der träumen wollte",
Artikel von Peter E. Müller vom 28. März 2008,
Berliner Morgenpost
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"Hommage an Jacques Brel",
Artikel von Hans von Draminski vom 16. März 2008,
Nürnberger Nachrichten
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"Hoffmanns erzählte Lieder",
Artikel von Gunter Held vom 9. Februar 2008,
Neue Westfälische - Bielefeld
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"Mit Jacques Brels Liedern den eigenen Lebenslauf erzählt",
Artikel von Liane Bornholdt vom 15. Januar 2008,
Magdeburger Volksstimme
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"Hoffmanns Erzählungen",
Artikel von Jörg Meyer vom 21. November 2007,
Kieler Nachrichten
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"Brel auf Augenhöhe begegnet",
Artikel von Barbro Schuchardt vom 19. November 2007,
Kölner Rundschau
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"Von Liebe, Tod und Teufel",
Artikel von "blu" vom 9. November 2007,
Lippische Landes-Zeitung
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"Mit Brel begann für mich alles",
Artikel von Lore Bardens vom 6. November 2007,
Potsdamer Neueste Nachrichten
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"Von Liebe, Tod und dem Teufel",
Artikel von Ullrich Riedler vom 13. Juni 2007,
Hessische / Niedersächsische Allgemeine
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"Das Leben des Anderen",
Interview im Reisemagazin "Adieu Tristesse",
Ausgabe 2. Quartal 2007,
ohne Autorennennung
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"Traum von Brel: Jubel für Klaus Hoffmann",
Artikel von "hema" in der Rubrik "Stadtmenschen"
vom 19. April 2007,
Tagesspiegel, Berlin
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"Brel-Chansons lassen ihn nicht los",
Artikel von Frank Wittmer vom 3. März 2007,
Allgemeine Zeitung, Mainz
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"Alle Jahre wieder",
Artikel von Anke Steinfadt vom 30. November 2006,
Offenbach-Post
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"Der Warmblüter",
Artikel von Bettina Kneller vom 29. November 2006,
Main-Echo
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"Es tut so schön weh",
Artikel von Karin Vera Schmidt vom 22. November 2006,
Hannoversche Allgemeine Zeitung
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"Der graublonde Wolf aus der Kellerkneipe",
Artikel von Harald Likus vom 6. November 2006,
Braunschweiger Zeitung
"Auf Seh-Fahrt und Hör-Tour",
nur zum Download als PDF-Datei, bitte hier klicken."Ein Schiff bietet auch eine poetische Reise in die Seele",
Interview mit Klaus Hoffmann,
nur zum Download als PDF-Datei, bitte hier klicken.Beide Artikel und Bilder von Jürgen Gutowski,
"ReiseBlick", Reisebeilage der Schweizer Tageszeitung "Blick"
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"Von Zweifeln, Ängsten und Sehnsüchten",
Artikel von Peter Claus vom 5. Juli 2006,
Berliner Morgenpost
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"Der Mann, der Berlin vertont",
Artikel von Gunnar Schupelius vom 26. Februar 2006,
BZ am Sonntag, in der Rubrik "BZ Sonntags Spaziergang"
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"Nicht von dieser Welt",
Artikel von Peter Claus vom 18. Januar 2006,
Berliner Morgenpost
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"Der Herzenversteher",
Artikel von Peter Sauer vom 19. Dezember 2005,
Münstersche Zeitung
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"Mitsingen, mitsummen, mitklatschen",
Artikel von "gtj" vom 16. Dezember 2005,
Hamburger Abendblatt
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"Melancholie des Gelingens",
Artikel von Jamal Tuschick vom 30. November 2005,
Frankfurter Rundschau
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"Die Frauen warteten auf ihn",
Artikel von Barbara Hardinghaus vom 2. Juli 2005,
Hamburger Abendblatt
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"von dieser Welt" - CD der Woche bei Radio MDR Figaro,
Rezension von Stefan Maelck vom 30. Mai 2005,
Radio MDR Figaro - das Kulturradio
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"Fliegen und fallen...",
MDR-Radiorezension von Ralph Gambihler im November 2004,
Radio MDR Figaro - das Kulturradio
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"Der Mann, der fliegen wollte",
Buchrezension im Deutschlandfunk,
Sendung Büchermarkt vom 4.11.2004, Autorin: Lilian Breuch,
Deutschlandfunk
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"Ich lüge sehr viel und erzähle nicht alles",
Artikel vom 28.10.2004 von Günther Fink,
Die Welt - Ausg. Hamburg
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"Gefühlsarbeiter",
Artikel vom 30.1.2003 von Constanze Suhr,
TIP, Berlin.
Frühling für den Liedermacher Standing Ovations für Klaus Hoffmann
Für diese Lieder-Kur braucht man keinen Krankenschein, man muss nur genau hinhören. Klaus Hoffmann, der Songpoet und Chansonnier aus Berlin, verabreichte Wechselbäder de Gefühle und begeisterte im bestens besuchten Aegi.
Das ist schon (s)eine Gabe: in einem Moment das Publikum zum Lachen zu bringen, um es im nächsten Moment so anzurühren, dass einem die Tränen in die Augen treten. Er ist locker, und seine mit Selbstironie durchsetzte Offenheit kommt an. Wenn er dann aber seine Lieder und Chansons mit den feinsinnig-sensiblen Textzeilen singt, entsteht eine besondere Atmosphäre der Privatheit, die selten bei Konzertabenden zu finden ist.
Und es gelingt ihm, diese Intimität zu halten, ganz gleich, ob er Titel von seinem aktuellen Album "Spirit" singt ("Frühling", "Ich hab gedacht, das alles gehört mir" und "Der alte Hunger bleibt") oder die älteren Titel bringt ("Derselbe Mond über Berlin", "Der Boxer" und "Gerda", seine Hommage an Brel). Er berührt einfach, und das Publikum geht mit, wenn er sanft singt von verpackten Träumen, von Gefühlen, Verlusten, von Freud und Leid.
Zwischen den Liedern dann viel Autobiografisches: die Kindheit in Berlin, der frühe Tod des Vaters, die schwere Nachkriegszeit,. Auch wenn ersagt, er habe keine Botschaft, so gibt es doch eine: Menschlichkeit.
Lieder, die wie gute Freund sind. Klaus Hoffmann begeisterte auf "Spirit"-Tour 800 Fans im Aegi.
Mit "Mein Weg ist mein Weg" lässt er den Abend ausklingen. Ein Konzert der Extra-Klasse.
Christian Seibt, Neue Presse Hannover, 20.05.2008.
"Wenn nur Liebe bleibt" Klaus Hoffmann begeistert Publikum mit seinem Brel-Programm
Ingelheim – In gewisser Weise ist das Jacques Brel-Programm, mit dem der Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann derzeit wieder auf Tournee ist, auch eine Rückschau auf seine eigenen musikalischen Wurzeln. "Mit Jacques Brel begann für mich alles", erzählte Hoffmann bei seinem Gastspiel in der Saalkirche, das er vergangenen Freitag – am Flügel begleitet von Hawo Bleich – im Rahmen der Ingelheimer Sommerkulturwochen gab.
Als der junge Klaus Hoffmann einst mit der Gitarre unterm Arm durch die Berliner Club-Szene zog, hat er in einer Bar erstmals Chansons des Belgiers Brel gehört. Und obwohl er (Hoffmann) der französischen Sprache nicht mächtig war und die Worte daher gar nicht verstand, hatte ihn Brels Musik "wie ein Ungewitter" sofort gepackt. Er fühlte darin einen Geist, der auch ihn umtrieb. "Keiner verstand ihn so gut wie ich", konstatierte er.
Und so begann der junge Hoffmann aus diesem Verständnis – trotz sprachlichen Unverständnis – heraus den Liedern Brels seine eigenen Worte zu geben, seine eigenen Eindrücke und Geschichten mit der Musik des Belgiers zu verweben. Auch das Konzert war aus dieser Fusion gestickt; ein steter Wechsel zwischen den beiden Biografien, eine Verschmelzung, die sowohl Brels als auch Hoffmanns Geschichte und Geschichten erzählte.
Die minimalistische Bühnenstaffage, bestehend (abgesehen von Hawo Bleich am Klavier) nur aus Mikrofon, Gitarre und Stuhl, sowie auch Hoffmanns schauspielerischen Fähigkeiten verliehen dem Dargebotenen dabei eine ganz besondere atmosphärische Dichte.
Die sprühte auch aus jedem Lied. Nicht mit gemäßigtem Abstand, sondern mit voller Wucht zogen sie die Zuhörer in das pralle Leben. "Jacques Brel sang von dem, was er sah und liebte, und das war nicht immer schön", erklärte Hoffmann. Da geht es oft um das, woran die "Spießer" so gerne vorbei sehen und -gehen. Um jene in den Hinterzimmern und Gossen ("So sind hier die Leute") um Suff und Hoffnungslosigkeit ("Der Säufer"), um Schamlosigkeit ("Wenn die Flämin tanzt") oder Tabuthemen wie Alter und Tod ("Das Lied der alten Liebenden", "Totentango", "Adieu Emile"), aber auch um Heimat und Fernweh ("Mein Flanderland", "Amsterdam") und immer wieder natürlich auch um die Liebe ("Geh nicht fort von mir").
Die Lieder sind eine poetische Ausleuchtung so mancher verborgenen Winkel, sie zeigen gewissermaßen die ganz eigene Schönheit der Abgründe, aus denen anders als bei vordergründig Herausgeputztem ganz ungeschminkt die wahre Lebendigkeit herausleuchtet, wenn ein liebevoller Blick darauf fällt ("Wenn nur Liebe bleibt").
Das begeisterte Publikum in der voll besetzten Saalkirche dankte dem Liedermacher diesen intensiven und intimen zweistündigen musikalischen Einblick in zwei Leben mit stehenden Ovationen.
"be", Ingelheimer Wochenblatt, 24.07.2008. ![]()
Chansons mit neuem Charisma Klaus Hoffmann begeistert mit Jacques-Brel-Programm in der Saalkirche
INGELHEIM. Bei seinem Jacques-Brel-Abend in der Ingelheimer Saalkirche erweckte Klaus Hoffmann alte Chansons zu neuem Leben. Neben Gesang unterhielt er sein Publikum mit Geschichten und Anekdoten aus Brels Leben und seiner Liebe für den berühmten Chansonnier.
Da wurden die Fans des ehemaligen Schauspielers ("Die neuen Leiden des jungen W.", 1976) und heutigen Schriftstellers selbstbewusst in gänzlich fremde Sphären entführt: In die Kneipen und Bordelle "Amsterdams", in den Dunstkreis des "Säufers", zu den "Spießern", der wild tanzenden "Flämin" oder ins verstaubte belgische Seebad "Knokke-le-Zoute". Hoffmann erfasste den Geist Brels, indem er explizite und frivole Wörter wählte, um die Wahrheit - und sei sie auch noch so trist und brutal - zu erzählen.
Der charismatische Hoffmann selbst hat das Werk Brels frei ins Deutsche übertragen und auch ein Musical über ihn mit dessen Arrangeur François Rauber geschrieben. Hoffmann gilt in Deutschland als der große Brel-Kenner. "Ich habe nie versucht ihn zu kopieren, ich habe nur stets versucht ihm nahe zu sein", erklärte Hoffmann seine Leidenschaft für "Jacky", die schon in den späten 60er Jahren begann. Unbeholfen waren die ersten Übertragungsversuche des nicht des Französischen mächtigen Hoffmanns. So wurde aus "Les vieux" zunächst einmal "Die Löwen", erst später klärte sich das Missverständnis auf, heute heißt die Adaption natürlich "Die Alten".
Nachbarschaft
Klaus Hoffmann nutzte jede Pause zwischen zwei Liedern um seinem Publikum Interessantes mitzuteilen. So verbrämte er amüsant mit der Geschichte seiner Brel-Begeisterung seine eigene Biografie oder ließ sich über den Chansonnier aus, dessen größter Hit "Ne me quittez pas" war: "Er suchte die Grenze und ging immer wieder darüber hinaus."
Mit Hoffman und der bereits im Mai in Ingelheim gastierenden Gudrun Landgrebe sind die "Sommer-Kulturwochen" in diesem Jahr hochwertig besetzt. Leider forderte das unstete Wetter erneut einen Wechsel in die Saalkirche, also fand wieder kein Open Air statt. Doch Rolf Hilgert vom veranstaltenden "Amt für Kultur und Touristik der Stadt Ingelheim" konnte auch dem noch etwas Positives abgewinnen: "So nah wie heute und hier kommen die Fans doch ihrem Idol sonst nie..." Klaus Hoffmann jedenfalls wurde schon zur Pause mit Standing Ovations bedacht - und zum Schluss durfte er nicht gehen, ohne drei Zugaben gegeben zu haben.
Er tänzelte und drehte sich, umgarnte seinen Mikrophonständer, verzog das Gesicht zur theatralischen Grimasse, knöpfte das dunkle Jackett schief oder imitierte einen Greis: Klaus Hoffmann gastierte mit seinem grandiosen Jacques-Brel-Programm in der Saalkirche - und erweckte die charakteristischen Figuren aus Brels Liedern zum Leben. Zwei Stunden lang entführte der 57-jährige Berliner seine 400 Zuschauer aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet in die Welt des im Oktober vor dreißig Jahren an Lungenkrebs verstorbenen Belgiers, dessen Chansons bis heute unvergessen sind. Begleitet wurde Hoffmann am Klavier von seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Hawo Bleich.
Caroline Jerchel, Allgemeine Zeitung (Mainz), Web, 21.07.2008.
Ein großer Abend des Chansons, eine Hommage an Brel
Bad Vilbel. Kann man Brel überhaupt auf der Bühne interpretieren? Und dann noch auf Deutsch? Perfekt auf dem Klavier von Hawo Bleich begleitet und selbst manchmal an der Gitarre, versuchte es am Montag bei den Burgfestspielen der deutsche Liedermacher Klaus Hoffmann.
Dann spielt er hauptsächlich den jungen Hoffmann, vor 40 Jahren, der Brel hörte und verloren war, denn mit Brel fing für ihn alles an. Immer wieder schmunzelt er, wenn er die Hybris schwärmerischer Jugend ("im Grunde gab es nur einen wahren Brel-Interpreten") heraufbeschwor.
Hoffmann macht neugierig. Weniger auf sich, sondern fast ausschließlich auf sein großes Idol: Jacques Brel. Es wurde ein Abend der beiden Biografien. Zum einen die Vita von Brel, der nach Paris ging, um berühmt zu werden. Aber auch die Geschichte einer Annäherung vom jungen Klaus, der genau wusste, wo Brel lebte, sich aber nicht traute, ihn direkt zu besuchen. Die Geschichte eines jungen Menschen, der zunächst von der Intensität Brels fasziniert ist, ohne die französischen Texte zu verstehen; und der sich immer mehr in den Kosmos dieses großen Chansoniers und Schauspielers hineinarbeitet, ihn liebend und fasziniert erforscht und singt, ihn sich so weit aneignet, dass ein solcher Abend möglich wird. Denn Hoffmann ist nicht Brel –und will es nicht sein. Aber er will ihn zeigen, mit seinen übersetzten Liedern.
Das Original wird immer unübertroffen sein. Das ist eine Binsenweisheit. Aber wieviele hierzulande würden Brel selbst verstehen? Und so übersetzt Hoffmann den Meister in einer geglückten Annäherung und Hommage an seine künstlerische Vaterfigur. "Wenn nur die Liebe bleibt", "Mathilde ist wieder da" oder "Amsterdam". Aus "Ne me quitte pas" wird ein ebenso ergreifendes "Verlass' mich nicht". "Wenn sich alles dreht", sang einst ein deutscher Chansonier – war es nicht sogar der junge Hoffmann selbst?. Kongenial, noch näher am Original übersetzt heißt das immer schneller drehende Lied nun aber "Walzer der 1000 Takte". Furios wurde es, als Hoffmann vom Dreivierteltakt in das Stakkato des Tausendvierteltaktes überging, als ihn die Leidenschaft mitriss und er ohne ironische Berechnung auf Brel einstieg.
Seit 40 Jahren befasst sich Hoffmann mit Brel, der für seine herausfordernden und expressiven Vorstellungen geliebt wurde, und – als Belgier – eine Ikone des französischen Chansons wurde. 40 Jahre Annäherung an diesen Sänger und Künstler merkt man der Vorstellung auch an, die intensiv ist. So kann einer nur von einem Idol singen sprechen, von einem, dem er nacheifert und sich dabei sogar der kindlich-pubertären Attitüde nicht schämt, sie sogar mit auf die Bühne bringt, um seine Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Man merkt das alles diesem Hoffmann an.
Und was so scheinbar locker, fast flapsig, begann, wurde ein großer Abend des Chansons, eine Hommage an Brel und eine Sternstunde dieser Festspiele.
Eigentlich mag er diesen einschränkenden Ausdruck genau so wenig, wie Brel (1929-1978) sich nur auf den "Chansonier" festlegen lassen wollte. Und auf der Bühne der Burgfestspiele zeigte sich auch, warum. Denn wenn Hoffmann, der Schauspielschüler am Max-Reinhardt-Seminar war und den "Bambi" für die Rolle im Film "Die neuen Leiden des jungen W." bekam, den "Säufer" singt, "Die Alten" oder "die alten Liebenden", dann wird es szenisch, mit kleinen gestisch augenzwinkernden Andeutungen. Er spielt Brels Figuren und mit dem Publikum, flirtet, klagt und ironisiert.
Andreas Hofmann, Wetterauer-Zeitung (Gießen), Web, 01.07.2008.
Ein Mann geht seinen Weg Seine Fans lieben das Alte, er schafft Neues: Klaus Hoffmann war zu Gast in der Alten Oper.
Hoffmann, der Sänger, Gitarrist, Poet, Schauspieler und Buchautor, gönnt sich trotz seines fortgeschrittenen Alters von 57 Jahren kein Ausruhen und schon gar keinen Stillstand. Auch wenn bei der Umtriebigkeit Gewohnheit eine nicht unmaßgebliche Rolle spielen dürfte. Vor wenigen Wochen noch sang er ganze Abende lang die unverwüstlichen, von ihm eingedeutschten Chansons seines Idols Jacques Brel. Jetzt gönnt er sich ein kleine Brel-Pause, fahndet stattdessen akribisch nach dem "Spirit". Ungewohnt fremd klingt es, wenn dem sonst so frankophilen Hoffmann der Anglizismus für "Geist" über die Lippen kommt. "Mit Sprachen tue ich mich ohnehin schwer", behauptet er nach dem Auftakt mit "Das Röschen". Eine recht elegante Überleitung zum Titelsong des aktuellen "Spirit"-Albums. Wortgewaltig entwirft Hoffmann ein Porträt seiner Heimatstadt Berlin im Wandel der Zeit. Erinnert an Ikonen wie Hildegard Knef, Günther Pfitzmann und Harald Juhnke, die den Ur-Berliner Mutterwitz über Deutschlands Grenzen hinaus erst bekannt machten. Doch dem leicht überalterten Fanklub steht anstelle von "Spirit" eher der Sinn nach Vertrautem wie "Blinde Katharina", "Gerda" oder "Markttag", unvergessenen Liedern aus einer Ära, die gute drei Jahrzehnte zurückliegt, als eine aufbegehrende Jugend in Deutschland glaubte, alles würde sich mit alternativen Lebenskonzepten zum Besseren bewenden. Da brandet stürmischer Applaus auf, während aktuelle Songs in facettenreichen Arrangements nur höflich beklatscht werden.
Aber Hoffmann lässt sich vom spröden Verhalten seiner Anhänger nicht beirren. Dazu spielt er mit seinem Auditorium ohnehin viel zu gern Katz und Maus. Schließlich gelang ihm der Durchbruch 1974 zweigleisig als Liedermacher und Schauspieler. Wie Marius Müller-Westernhagen und Herbert Grönemeyer verschwor er sich ganz der Musik, als lukrative Angebote für Film, Fernsehen und Theater nach und nach ausblieben. Doch der Mime in ihm, der sein Handwerk am Max-Reinhardt-Seminar erlernte, hat nicht aufgehört zu existieren. Mit ausgefuchsten Tricks ködert Hoffmann sein Publikum. Kramt Requisiten wie ein vergilbtes Foto, einen alten Liebesbrief oder einen eingerissenen Zettel aus seiner Jackentasche hervor, die Intimität verheißen. Seine mit Anekdoten, Erinnerungen und Phantastereien gespickten Überleitungen geraten ihm mitunter interessanter als die Stücke, die sie ankündigen sollen.
Zu erzählen weiß Hoffmann ohnehin viel. Über große Entertainer, die am Ende eines Liedes jovial die Arme ausbreiten, um Applaus zu ernten, oder ein Konzert im weißen Bademantel beenden. Aber er denkt auch an die schwere Nachkriegszeit in der zweigeteilten Metropole. Sein Berlin. Thematisiert eigene Macken, die Last des Alterns und eine Welt, die sich im blinden Glauben an den Fortschritt zwangsläufig immer schneller dreht. Fast erweckt es den Anschein, als wohne man einer Theaterinszenierung mit Musik bei. Wäre da nicht ein weiteres Talent Klaus Hoffmanns. Seine Stimme. Nuancenreich nimmt sie gefangen, unverwechselbar im Timbre, lotet Noten bis ins Detail aus, ohne in Sprechgesang zu verfallen. In sparsamen Arrangements unterstützt von einem Quartett, das Hoffmann seit Jahren die Treue hält. "Das bin ich, das habt ihr aus mir gemacht", verabschiedet sich der Künstler und stimmt als letzte Zugabe "Mein Weg ist mein Weg" an. Ein Weg, den er wohl konsequent weiterbeschreiten wird.
Klaus Hoffmann gehört zu jener Sorte Künstler, die als schlicht unermüdlich zu bezeichnen ist. Seine Präsenz lässt sich schon am forschen Gang erkennen, mit dem er im adretten Anzug die sparsam ausgeleuchtete Bühne der halb gefüllten Alten Oper betritt. Ein ewig Suchender, der in oft sehr intimen Liedern sein Innerstes nach außen zu kehren scheint, Angehöriger einer Generation zwischen den Generationen, die einfach nicht aufhören kann, forsch zu fragen, unnachgiebig zu analysieren und im Stillen doch zu zweifeln.
Michael Köhler, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2008.
Im Traum ist alles anders
Da war er wieder in seinem Element, der Weltenbummler und Geschichtenerzähler. In "Spirit.de", wie alle Lieder der neuen CD von Arrangeur, Keyboarder und Pianist Hawo Bleich in flockige, lockere Klänge mit viel Latin-Rhythmik gekleidet, treibt der smarte Sänger ein raffiniertes Spiel mit Menschen und Orten, mit Vergangenheit und Zukunft, Gefühlen und Gedanken. Im neuesten (Fortsetzungs-)Band von "Hoffmanns Erzählungen" ist das Wort "Traum" einer der am häufigsten verwendeten Bausteine im Versgerüst. Doch das Fantasieren bedeutet nicht Flucht, nicht Wegbeamen in eine idyllische Parallelwelt. Nein, Hoffmann, im eleganten grauen Anzug, registriert in Liedern wie "Das Röschen", "Ich hab es weggeträumt" oder "Ich hab gedacht, das alles gehört mir" die Realitäten und lässt sich zu Träumereien oder Erinnerungen anregen, die dem Vordergründigen eine neue Dimension hinzufügen.
Natürlich wollten der unverbesserliche Romantiker und die neben Bleich mit Stefan Genze (Schlagzeug), Peter Keiser (Bässe) und Michael Brandt an den Gitarren glänzend besetzte Band die Klassiker einer langen Karriere nicht vorenthalten. Sie erzählten von "Gerda", für die das Leben ein Tanz ist, und erwiesen der "Blinde(n) Katharina" Ehre. Elegant setzt Hoffmann kleine Gesten ein, tänzelt über die Bühne und spricht sein Publikum immer wieder persönlich an. Das ist zeitlose Liedermacher-Kunst.
Der Liedermacher Klaus Hoffmann unterhielt in der Alten Oper Frankfurt kurzweilig mit seinem Programm "Spirit".
Was um alles in der Welt bringt einen bekennenden Frankophilen wie Klaus Hoffmann dazu, eine neue Platte und eine ganze Tournee mit einer englischsprachigen Vokabel zu überschreiben? Die Spur führt dann doch ins Land so großer Chansonniers wie Aznavour oder Brassens, erklärte Vorbilder des Berliners. Er habe bei einer Frankreichreise jemanden dabei beobachtet, wie er eine französische Vokabel grammatikalisch falsch an eine Wand gesprüht habe, sagt der 56-Jährige. Das habe ihn bewogen, sich mit Geistig-Spirituellen zu beschäftigen.
"jsc", Frankfurter Neue Presse, 30.05.2008.
Liedermacher vom alten Schlag Klaus Hoffmann zwischen Lebenslust und Besinnlichkeit in der Alten Oper
Ein schwarzer Hintergrund als Kulisse genügt ihm, um sich wirksam in der nur halb gefüllten Frankfurter Alten Oper in Szene zu setzen. "Spirit" nennt sich nicht nur sein jüngstes Album, auf dem er sich mit 16 kantigen Songperlen zwischen traditionellen Chanson, feiner Poesie und fast Schlagerhaftem auf höchstem Niveau präsentiert, sondern auch sein aktuelles Tournee-Programm.
In der ersten Hälfte entführt Hoffmann sein Publikum in die eigene Kindheit. Lebhaft ruft er Erinnerungen an das alte Berlin wach, die eingezäunte Insel der Studenten, Wehrdienstverweigerer und Rentner, die mit Stacheldraht umflorte Mauerstadt. Gestenreich wie ein Pantomime unterstreicht er das gesungene Wort mit kleinen Tanzeinlagen, hintersinnigem Gesichtsausdruck und verbindet Stimmungen mit aus der Brusttasche seines Designer-Sakkos gezauberten Requisiten.
Er steigert sich behutsam. Droht die Lebensrückschau sich in einem Übermaß an Sentimentalitäten zu verstricken, reagiert er prompt und baut Tragisch-Komisches ein. Ein wenig ins Hintertreffen geraten dabei die Stücke vom aktuellen Werk Spirit.
Im zweiten Teil erforscht sich Hoffmann als erwachsener Mann, beklagt das Altern, die nachlassende Intensität und den Verlust durch den Wandel. Er, der allzu Privates in der Öffentlichkeit meidet wie der Teufel das Weihwasser. Eine gute halbe Stunde verausgabt er sich in mehreren Zugabeblöcken mit Evergreens aus umfangreichem Repertoire. Hoffmann scheint endlich bei sich angekommen zu sein. Zum endgültigen Finale singt er, nur vom Piano begleitet, "Mein Weg ist mein Weg".
Früher nannte sich einer wie er Liedermacher. Klaus Hoffmann, in Berlin geborener und aufgewachsener Künstler, dessen Person stets eng mit dem eigenen Oeuvre verwoben ist, auch wenn die zwischen Lebenslust und Besinnlichkeit oszillierenden Oden nicht immer als hautnahe Selbstporträts zu werten sind. Dennoch zeigen sie von den Ereignissen, Erlebnissen und Ideen des auch als Schauspieler und Schriftsteller erfolgreich reüssierenden Multitalents.
Ferdinand Rathke, Offenbach-Post, 30.05.2008.
Klaus Hoffmann in Saarbrücken: Geistreich und begeisternd
Wenn Hoffmann von seiner Kindheit in Berlin der 50er Jahre erzählt, vom frühen Tod des Vaters, seiner Bewunderung für die Trümmerfrauen, berührt er, ohne je ins Rührselige abzudriften. Schwermütige Gedanken weiß Hoffmann durch Ironie und Humor zu brechen, und so erlebt der Zuhörer bei den neuen "Spirit"-Chansons ein gewohnt angenehmes Wechselbad der Gefühle, fühlt sich getragen vom Glauben an die Liebe und dem Staunen über das Wunder des Lebens, von denen Hoffmann singt. "Jenseits der Angst" ist eines dieser Mutmach-Lieder, von denen man lange zehren kann. Pure Lebensfreude vermittelt das mitreißende "Heute Nacht ist meine Nacht".
Auch musikalisch ist dieser Abend ein Leckerbissen. Kein Stil, in dem Hoffmann mit seinen Musiker nicht zu Hause ist. Gekonnt spannen sie einen Bogen vom Tango über Swing zu sanften Balladen, dann wieder bebt die Bühne bei rockigen Rhythmen. Wenn Hoffmann seine "Gerda" tanzen lässt, singen alle mit. Und schmunzeln, als er verrät, wie es zu dem Titel des neuen Albums kam: In Rouen habe ein Weinhändler versucht, "Spirituosen" auf ein Schild zu pinseln. Beim "t" muss ihm wohl, warum auch immer, der Stift aus der Hand geglitten sein, eine Inspiration, die neue CD "Spirit" zu nennen. So wenig tiefgründig kann es also bei Hoffmann zugehen.
Saarbrücken: Ein guter Geist schien durch die Saarbrücker Congresshalle zu wehen, als Klaus Hoffmann mit seinen exzellenten Musikern am Montagabend sein neues Album "Spirit" vorstellte. Wie schon bei seinen früheren Auftritten in Saarbrücken – über zwanzig sollen es inzwischen gewesen sein – begeisterte Hoffmann seine vorwiegend weiblichen Fans mit einer gelungenen Mischung aus Texten und Liedern, in denen sich das Schwere und die Leichtigkeit die Balance halten.
"kjs", Saarbrücker Zeitung, 28.05.2008.
Klaus Hoffmanns neue Leiden
Dabei reagiert das Publikum im voll besetzten Congress-Saal der Halle Münsterland immer dann am stürmischsten, wenn der Spätromantiker aus Spree-Athen Poesie aus seiner Frühphase singt: "Blinde Katharina", "Gerda", "Markttag".
Fröhlicher Abschied
Mitte der 70er machten ihn diese Lieder bekannt. Angestaubt wirken sie bis heute nicht. Ein Markenzeichen Hoffmannscher Lyrik ist ihre Zeitlosigkeit. Den Brel kriegt er zu fassen, weil er ihn sich eben nicht zu eigen macht, sondern weil er ihn als Verwandten schätzt und liebt. In deutscher Sprache hat wohl kein Sterbender jemals so fröhlich Abschied genommen von der Welt wie in der Brel-Adaption "Adieu Emile": "Ich will Gesang, will Spiel und Tanz, will, dass man sich wie toll vergnügt, ich will Gesang, will Spiel und Tanz, bis man mich untern Rasen pflügt."
Frankophiler Touch
Bis dahin bekommen Hoffmanns Erzählungen immer wieder eigenen Zuwachs. "Spirit" heißt das neue Album, das an diesem Abend besondere Beachtung finden soll. Nicht jedes Lied daraus geht den zahlreichen Freunden des "Tschangzongs" (Hoffmann) sofort in Fleisch und Blut über. Den meisten unter ihnen scheinen die Stücke sogar noch völlig fremd. "Das Röschen" zum Auftakt hat den beliebten frankophilen Touch. Nach dem Titelsong ist die Reaktion eher verhalten. Das Stück bleibt in der Luft hängen wie kalter Zigarettenrauch.
Zustand der Seele
Aber es geht in einem Hoffmann-Konzert ja nicht um die Präsentation einer persönlichen Hitparade, sondern um seine Person: um Seelenzustandsberichte, um Befindlichkeitsatteste, um innere Angelegenheiten. Die vermittelt der nachdenkliche Melancholiker auch ganz gern in kleinen Schrullen, Anekdoten und Erinnerungen. Wenig überraschend: Die neuen Leiden von Klaus Hoffmann sind die alten. Es gibt eben Konstanten selbst im unstetesten Leben, die wird man einfach nicht los. Ein Künstler schon mal gar nicht.
"Treppe ruff, Treppe runter"
In "Treppe ruff, Treppe runter" klingt das an. Ein Gassenhauser über Auf- und Abstieg, vorgetragen mit Berliner Schnauze: "Man bleibt nicht uffm Boden, man will instinktiv nach oben, der Mensch ist bestrebt, dass er wat Höheres erlebt". Das klingt mehr nach Tucholsky als nach Brel. Das Publikum lacht herzlich. Es gibt nicht viele solcher Anlässe in einem Hoffmann-Konzert.
"Mein Weg"
"Das habt Ihr aus mir gemacht", scherzt der Künstler denn auch mit dem Publikum. Und singt wie zum Trotz "Mein Weg ist mein Weg". Wenn er sich dabei treu bleibt, muss er sich über die Zahl seiner Begleiter keine Gedanken machen. Brel folgt ihm sowieso überall hin.
MÜNSTER Klaus Hoffmann ist der französischste Interpret der deutschen Liedermacher-Szene. Nicht nur, wenn er Jacques Brel singt, sondern auch dann, wenn er ganz bei sich ist. In seiner Geschichte. In seinem Berlin. Der Sohn wird den Vater einfach nicht los.
Klaus-Peter Heß, Grevener Zeitung.de, 25.05.2008.
Das Halali zum langen Abschied
Am Ende seines Konzerts steht Klaus Hoffmann dann im weißen Oberhemd auf der Bühne, das Licht ist bereits an, und singt nur mit Klavierbegleitung "Mein Weg ist mein Weg" - sein Lied aus dem Jahr 2003, das jetzt durch Nena wieder in aller Ohren ist. Und das ist einer der schönsten Momente dieses Konzerts.
Begeistert wurde der Berliner Chansonnier am Mittwoch in der gut zur Hälfte gefüllten Lübecker Musik- und Kongresshalle gefeiert. Gerade zurückgekehrt von einer Tournee mit Chansons von Jacques Brel*, stellte der 57-Jährige nun sein neues Album "Spirit" vor. In 16 neuen Liedern erzählt er wie gewohnt aus seinem Leben - zum Beispiel über das "neue, ewig raue und doch so lebendige Berlin", über das alte Berlin ("Die Zeiger an den Kudamm-Uhren stehen still"), über seine Angst, "ich wäre nicht genug", über Sehnsüchte ("Verpackt in kleinen Säcken sollen meine Träume stecken"), und er singt ein "Halali zum langen Abschied".
Über 370 Lieder hat Hoffmann in den vergangenen drei Jahrzehnten veröffentlicht, 150 bis 200 Konzerte absolviert der Umtriebige pro Jahr. Die neuen Lieder sind überwiegend melancholisch, wie gewohnt poetisch (gern wird Hoffmann mit seinem Freund Reinhard Mey verglichen) und knüpfen musikalisch an die Tradition französischer Chansons an. Dazwischen streut er alte Songs wie den über die blinde Katharina und Gassenhauer wie "Gerda". Die Fangemeinde singt mit - wer die Lieder allerdings zum ersten Mal hört, hat oft Schwierigkeiten, die Texte zu verstehen.
Hoffmanns Erzählungen zwischen den Songs über seine Kindheit in Berlin, den frühen Tod des Vaters, die schwere Nachkriegszeit und das "bezaubernde Publikum" schwanken zwischen Sentimentalität und Selbstironie und geraten wie seine gewollten Stolperer auf der Bühne zuweilen zu albern. Dennoch: Die Fans sind beglückt und erklatschten sich fünf Zugaben. Morgen kann man Hoffmann übrigens noch einmal im Norden erleben: in der Hamburger Laeiszhalle.
Lübeck - Zu Beginn des Konzerts hatte er über die alten Männer auf der Bühne gewitzelt, die am Ende eines Liedes die Arme ausbreiten, um Applaus zu erheischen, und am Ende des Konzerts zur allerallerletzten Zugabe im Bademantel auf die Bühne kommen.
Petra Haase, Lübecker Nachrichten, in: ln-online/lokales, 16.05.2008.
Der Mann, der träumen wollte Klaus Hoffmann besingt auf seinem Album "Spirit" den Neuanfang - und immer wieder Berlin
Momentaufnahmen von Lust und Leid
Aber wieso um alles in der Welt titelt einer, der die deutsche Sprache so wunderbar in Songs fassen kann, "Spirit"? Klaus Hoffmann lächelt mit diesem neugierigen Blick, der alles um sich herum einzuscannen scheint. Und erzählt von einem dieser unzähligen Augenblicke, die er aufnimmt und speichert, um sie irgendwann vielleicht für ein Lied wieder abzurufen. "Da war so eine Kneipe. Und ein ziemlich trunkener Typ, der versuchte, das Wort Spirituosen auf eine Tafel zu schreiben. Doch nach Spirit rutschte er ab mit seiner Kreide." Dieses halbe Wort, es hat sich eingebrannt. Und gibt nun dem Eröffnungssong den Titel. "Spirit.de" ist eine Hommage an das moderne Leben, das ohne das alte nicht weitergehen kann. Streiflichter, Momentaufnahmen von Lust und Leid in einer großen Stadt, die Berlin heißt und die Klaus Hoffmann umtreibt, die er nicht uneingeschränkt lieben will - und von der er doch nicht lassen kann.
In den vergangenen Jahren hat sich der Sänger, Schauspieler und Buchautor wieder den Liedern des von ihm so geschätzten Chansonniers Jacques Brel gewidmet, die schon vor mehr als 30 Jahren den Anfang seiner Sängerkarriere markierten. Er hat sie übersetzt, er hat sie sich zu eigen gemacht. Er hat sich als kongenialer Brel-Interpret etabliert. Doch parallel dazu entstanden neue, eigene Lieder. "In den letzten zwei Jahren habe ich mich immer wieder im Tonstudio an der Heerstraße vergraben", sagt er. Er ist immer noch getrieben von diesem Hunger nach Leben, von dieser Neugier, wissen zu wollen, warum Dinge wurden, wie sie sind. Er erzählt Geschichten in Andeutungen, Streiflichtern. "Da steckt viel Erinnerung drin in der Platte", sagt er. "Das geht tief, bleibt aber auch im Jetzt."
Ja, viel Erinnerung. "Verpackt in kleinen Säcken, sollten meine Träume stecken, mit nem Zettel: Morgen fängt mein Leben an" heißt es in einem der schönsten Stücke, das französische Chansontradition mit amerikanischem Entertainment paart. Wie er musikalisch überhaupt vorsätzlich altmodisch sein will. "Diese unmoderne Woody-Allen-Musik" nennt er es. Hoffmann swingt und schwelgt, ist mal aufbrausend, mal gefühlig. Wissend um die Endlichkeit dieses Lebens, in dem jeder Tag doch so wichtig ist: "Wie ein Wunder fängt das Leben für mich an". Und immer wieder ist da Berlin, diese Heimat, die ihn nicht loslässt. Diese Stadt, der er immer wieder entflieht und in die er doch immer wieder zurückkehren muss. Seit gut 20 Jahren wohnt der gebürtige Charlottenburger nun schon am äußersten Rand, im kleinen, grünen Kladow. Weiter weg ging nicht. Nicht Afghanistan, wohin es ihn als Teenager trieb (was sich in seinem Debütroman "Afghana" niederschlug), nicht die geliebte griechische Insel, nicht das Meer, das immer wieder die Sehnsucht nährt. Er kann einfach nicht ohne diese verquere, unordentliche, überkandidelte und dann wieder so biedere Stadt.
Der Schauspieler, der Sänger wurde
Hier begann er in den Siebzigern in den kleinen, oft lärmigen Folkclubs seine ersten, so berührenden Balladen zu singen. Studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar. Fiel gleich durch seine ersten Rollen an der Freien Volksbühne auf, spielte den gestörten Jungen in Peter Shaffers "Equus", war Romeo in "Romeo und Julia", erntete Ruhm durch die Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." Doch der Drang zum Sänger wurde immer stärker. 1975 erschien sein Debüt, im Jahr darauf stellte er mit dem Album "Was bleibt?" schon eine jener Fragen, die ihn bis heute umtreiben.
"Die Leute denken manchmal, ich hätte mich freiwillig vom Filmgeschäft entfernt", sagt er. Doch es habe einfach keine Rollenangebote gegeben, die ihn gereizt hätten. Auch deshalb habe er seine Sängerlaufbahn vorangetrieben. "Blinde Katharina", "Was fang ich an in dieser Stadt", "Wenn ich sing", "Salambo" - die Erfolgsliste ist lang geworden. Und neue Stücke wie "Verpackt in kleinen Säcken", "Der alte Hunger bleibt" oder das unverschämt gutgelaunte und volksliedhaft freche Stückchen "Frühling" reihen sich da nahtlos ein.
Aber, so Hoffmann heute: "Ich dränge wieder in die gespielte Geschichte." Er will wieder als Schauspieler arbeiten. Und plant die Verfilmung seines 2004 erschienenen autobiografischen Märchenromans "Der Mann, der fliegen wollte". Das Drehbuch steht, er hat auch nahezu das ganze Team zusammen, nur der Produzent fehlt noch. Und zunächst wohl auch die Zeit. Denn im Mai beginnt die neue Tournee, auf der nicht mehr Jacques Brel, der "Übervater", sondern wieder Klaus Hoffmann, der großartige Sänger, im Mittelpunkt steht. Der Weg nach Berlin ist allerdings noch weit: Am 27. und 28. November tritt Klaus Hoffmann im Admiralspalast auf.
Er ist einer, der partout nicht still stehen kann. Immer auf der Suche, längst mit sich im Reinen. Und dennoch sind sie natürlich da, diese so lebenswichtigen Zweifel. "Beginnen, jeden neuen Tag, beginnen, neu und ungefragt" singt der Berliner Sänger und Songschreiber Klaus Hoffmann in dem Lied, das seine neue Platte beschließt. Beginnen, alles auf Anfang, bloß nicht stillstehen. Diese Woche ist er 57 Jahre alt geworden und glücklich über sein neues Kind, sein Album "Spirit" mit gleich 16 neuen Hoffmann-Liedern, poetisch und jazzig, lateinamerikanisch rhythmisiert und ohne Scheu vor Gefühlen, dann wieder geradezu lebensweise und von einem Streichorchester charmant umarmt.
Peter E. Müller, Berliner Morgenpost, 28.03.2008.
Hommage an Jacques Brel Klaus Hoffmann begeisterte im Nürnberger Opernhaus
Die Auseinandersetzung mit Legenden, Ikonen, Denkmälern ist niemals leicht. Zwar kommt kaum jemand, der sich aktiv mit dem Genre des Chansons beschäftigt, an dem 1978 verstorbenen Belgier Jacques Brel vorbei. Doch ist dessen Persönlichkeit auch 30 Jahre nach seinem Tod so dominant, seine eigenen Deutungen seiner Balladen vom Leben und der Liebe so stark und so modellhaft, dass das Nachsingen von Brel-Songs schnell in hilflosem Epigonentum mündet.
"Ich bin ihm so nahe wie sonst niemand, denn ich habe ihn nie kennen gelernt", sagt Klaus Hoffmann und meint es nur halb als Scherz. Brel war ihm Inspiration und Vorbild, er gab vielleicht sogar den letzten Anstoß, dass aus Klaus Hoffmann ein Liedermacher und Chansonnier wurde. Nun, mit der Erfahrung eines langen Künstlerlebens, traut sich Hoffmann an den Stoff heran, der ihn und seine Musik prägte. Und er findet eigene, spannende, neue Ansätze für jene Lieder, die längst zu Standards geworden sind.
Alte Städte und junge Mädchen
Vielleicht gelingt Klaus Hoffmann die Aneignung der zeitlosen Geschichten von alten Städten und jungen Mädchen, von unsterblicher Liebe und billigen Huren deshalb so schlüssig, weil er sie selbst neu ins Deutsche übersetzt und dabei auch die Wahrheiten, die zwischen den Zeilen stehen, nie aus dem Blick verloren hat. Vielleicht ist es auch das emphatische Nachempfinden, die behutsame Erkundung von Jacques Brels Befindlichkeiten und Seelenzuständen, die die Cover-Versionen von Hoffmann und Bleich tatsächlich zu etwas Besonderem machen.
Natürlich dürfen die bekanntesten Brel-Stücke wie "Ne me quitte pas", "Les Vieux" oder "Amsterdam" nicht fehlen. Hoffmann und Bleich widmen sich aber mit genauso viel Herzblut und Ironie den abseitigeren Chansons wie dem himmelhochjauchzend zu Tode betrübten "Valse a mille temps" oder dem folkloristisch flandrischen Frauenporträt "Marieke".
"Brel war wie ein Ungewitter", erklärt Hoffmann augenzwinkernd und schulterzuckend. Auch er kann und will das Phänomen Brel nicht vollends entzaubern, deshalb sucht er nicht nach Erklärungen, sondern eher nach dem Kern der Emotionen, die Brels Musik immer noch in den Menschen hervorruft. Und es ist diese Sensibilität, die ihm hilft, besser als viele andere den richtigen Ton zu treffen und seiner Brel-Hommage mitzugeben, was ein solches Unternehmen am nötigsten braucht: Wahrhaftigkeit.
Charmeur und Chef-Ironiker: Im Nürnberger Opernhaus brachte der Berliner Barde Klaus Hoffmann sein Jacques-Brel-Programm in einer intimen Zwei-Mann-Fassung mit dem Pianisten Hawo Bleich auf die Bühne – und erntete für seine intensiven Interpretationen stehenden Applaus.
Hans von Draminski, Nürnberger Nachrichten, 16.03.2008.
Hoffmanns erzählte Lieder Klaus Hoffmann singt Chansons von Jacques Brel
Um die Leute in den Bann zu ziehen, braucht er nur seinen Pianisten Hawo Bleich – und manchmal seine Gitarre. Er singt die französischen Chansons in deutscher Sprache. Das ist manchmal schade, weil die Sprachmelodie eine andere ist. "Aber ich kann kein französisch und mit den Übersetzungen bin ich sehr zufrieden", sagt er nach dem Konzert. Kann er auch sein, und es gelingt ihm sogar manchmal, die typische Brel'sche Intonation zu treffen. Nie so, dass es nachgemacht wirkt. Hoffmann ist Hoffmann. Und obwohl Brel ihn seit langem begleitet, hat sich der Berliner nicht vereinnahmen lassen.
Bei der Interpretation kommt ihm seine Schauspiel-Ausbildung zugute. Gesten werden zu Pantomime, das Sakko wird zum Requisit und auf einmal ist es nicht mehr nur ein Konzert, sondern eher ein Schauspiel. Klaus Hoffmann kennt seine Qualitäten und setzt seine Mimik ebenso punktgenau ein, wie die Pausen in den Liedern oder die kleinen Bonmots, denen man anhört, dass er sie nicht zum ersten Mal erzählt.
Wenn er "Amsterdam" oder "Ne me quitte pas" oder die anderen Lieder über Liebe, Tod und Teufel singt, dann schreit, flüstert und säuselt er. Dann klingt er so verzweifelt, wie "der Junge, der mit einem Pferdegebiss und Segelohren durch die Welt ging". Das Schöne an den deutsch-französischen Chansons ist die Wahrheit, die ihnen innewohnt. Wer gelebt hat, wird sich in irgendeinem Text wiederfinden.
Schwerte. Es ist nicht gut, seinem Idol zu nahe zu kommen. Klaus Hoffmann hat Jacques Brel nie kennen gelernt. Und doch interpretiert er den Belgier, der die Chansons französischer als jeder Franzose sang, so französisch, wie das ein Berliner vermag. Seine Fangemeinde ist treu – am Donnerstagabend gab er in Schwerte ein Konzert vor mehr als 500 Besuchern.
Gunter Held, Neue Westfälische - Bielefeld, 09.02.2008.
Mit Jacques Brels Liedern den eigenen Lebenslauf erzählt Klaus Hoffmann gastierte im Magdeburger Opernhaus
Hoffmann hat sich damit, wie er selbst sagt, einen sehr persönlichen Traum erfüllt. In diesem Programm erzählt er seinen eigenen Lebenslauf mit den Liedern Jacques Brels . Dies gab dem Abend eine große Intimität. Hoffmann hat sich die Chansons so angeeignet, dass sie zu seinen höchst persönlichen Liedern geworden sind. Er singt keine Cover-Versionen wie man sie – oft ausgezeichnet, hinreißend, manchmal sehr nahe an den Originalen – von vielen Sängern schon gehört hat. Hoffmann bleibt in jedem Moment Hoffmann.
Den zahlreichen Übersetzungen der frechen und poetischen, dunklen und übermutigen Texten Jacques Brels hat Klaus Hoffmann eigene Nachdichtungen hinzugefügt. Sie sind direkt und offen, gradlinig und gar nicht vorsichtig in der Wortwahl, und unversehens wird der belgische Chansonnier, der schon 1978 verstarb, zum Zeitgenossen. Wenn er Liebeskummer und Besäufnisse besingt, kratzig und ein bisschen frivol sein "Le plat pays", sein plattes Land Flandern, wenn er von den Künsten der Nutten und – natürlich und unvergleichlich – vom Hafen in "Amsterdam", dann muss man mitfühlen, mitsehen, fast möchte man mitsingen.
Klaus Hoffmann singt Brels Geschichtenlieder wie eine Biografie, nicht die Brels, seine eigene. Er erzählt, wie er diese Lieder entdeckte, wie sie ihm vorsangen, was er für sich suchte, auch, wie sie ihm unverständlich und fremd waren und wie sie ihn schließlich begleiteten. Er spielt mit den Liedern, lässt ihre Ironie deutlich werden, so wie er sich selbst stets ernst nimmt, wenn er über sich auch lachen kann und das Lachen teilt.
In einer klugen Dramaturgie nimmt er die Zuhörer mit durch eine große Gefühlspalette, in der von Lachen bis Weinen, von tiefer Resignation bis zur ausgelassener Fröhlichkeit eigentlich alles angesprochen wird, am wenigsten allerdings romantisches Schwärmen. Sein Jacques-Brel-Programm ist eine Hommage an den Sänger, aber kein Fan-Projekt, und damit kommt er dem Original vielleicht näher, als wenn er jede Schwingung der Originale, wenn er die Chronologie aus Brels Vita nachgesungen hätte.
Dabei konnte Hoffmann auch sängerisch durchaus glänzen. Leise und raue Töne beherrscht er ebenso wie klangvolle Steigerungen und Schnelltextvirtuosität. Wunderbar musikalisch aber vor allem der Pianist, mit dem Hoffmann schon lange gemeinsam musiziert. Hier gab es keine Routine, sondern in jedem Moment hervorragendes Musikantentum, das den Sänger über weite Strecken getragen hat.
So waren an diesem Abend eigentlich alle im Publikum begeistert. Sie haben Klaus Hoffmann erlebt und Jacques Brel. Der stürmische Beifall hat beiden wie auch Hawo Bleich gegolten.
Magdeburg. Wer Klaus Hoffmann kennt, der weiß, dass die Chansons und Lieder von Jacques Brel in seinen Programmen immer wieder auftauchen. Seit einigen Monaten ist der Sänger mit seinem Pianisten Hawo Bleich mit einem ganzen Jacques-Brel-Abend auf Tournee; erfolgreich seit 2006 und mit dem Magdeburger Gastspiel am Sonntagabend im fast ausverkauften Opernhaus noch lange nicht zu Ende.
Liane Bornholdt, Magdeburger Volksstimme, 15.01.2008.
Hoffmanns Erzählungen
Parallelitäten in Lebenswegen, die kein Zufall sind, auch nicht Zeitgeist, sondern in Hoffmann schlägt ein Brelsches Herz, pocht dieselbe Energie zwischen frivoler Lebensgier und spröde-existenzialistischer Melancholie, die Brels Lieder ausmachen. Brels Lieder? "So sind hier die Leute, das war das, was ich sagen wollte", erzählt Hoffmann weiter aus Brels, nein, Hoffmanns Leben. Seine deutsche Übersetzung klingt noch schärfer, ruppiger, unversöhnlicher als Brels Original. Aber was heißt schon Original? In Hoffmanns Brel-Programm Wenn uns nur Liebe bleibt hat man den Eindruck, dass im Schloss nicht nur zwei Leute auf der Bühne stehen, Hoffmann und sein bissige Klavierkontrapunkte setzender Pianist Hawo Bleich, sondern noch ein Dritter im Bunde ist – Brel selbst.
Den Untertitel des Programms, "Klaus Hoffmann singt Jacques Brel", kann man getrost auch anders herum lesen, vor allem aber hören. Wären die Lebensalter vertauscht, hätte vermutlich genau so Jacques Brel Klaus Hoffmann gesungen. Hoffmann ist nicht "der legitime Brel-Adept Deutschlands", wie die Presse schreibt, er ist kein Nachfolger, Sohn oder Enkel, sondern eher ein Bruder des großen Belgiers.
Dennoch kein Zwillingsbruder. Hoffmann lautmalt virtuos auf der Brelschen Klang- und Stimmungsfarbpalette und fügt doch ureigene Schattierungen hinzu. Seine Übersetzungen etwa von Ne me quitte pas ( Bitte geh nicht fort) oder Der 1000-Takte-Walzer sind nicht einfach nur sprachliche Übersetzungen, sondern solche von Seelenzuständen, Haltungen. Bei Die Spießer meint man sogar, Brels Chanson sei erst hier, bei Hoffmann zu sich gekommen. Denn was sind schon Brüsseler Spießer gegen die wirklichen, die Berliner? Hoffmann ist nicht einfach nur einer, dessen Chanson-Leben mit Brel begann, er entwickelt weiter, spitzt zu, transzendiert, vollendet – etwa in Die Alten, was bei Brel bloß – freilich genialischer – Entwurf war.
Hoffmanns Stimme ist dabei weniger die eines Chansonniers als die eines Erzählers. Er setzt sie mimisch-gestisch ein, traut sich Rauigkeiten ebenso wie die hymnischen Momente der Exaltation. Da spielt jemand Brel und ist doch ganz er selbst, ein Mann namens Hoffmann. Oder eben umgekehrt: Brel singt Hoffmann und ist darin er selbst. Im Schloss sitzen viele Brel-Fans, das erkennt man am Wiedererkennungsapplaus nach den ersten Tönen von Amsterdam oder Madeleine. Sie dürften an diesem Abend zu Hoffmann-Fans geworden sein.
Kiel – "Mit Brel begann alles", sagt Klaus Hoffmann und erzählt von dem "syrisch-französischen" Barkeeper in Berlin, der immer Brel auf dem Plattenteller hatte und in dem Teenager Hoffmann Fernweh und Ausbruchswillen weckte. Mit Mitte 20 verließ Brel seine Familie, um in Paris sein Glück als Chansonnier zu suchen, in den frühen 70ern erneut, um auf die polynesische Insel Hiva Oa zu fliehen wie einst Gauguin. Mit Anfang 20 brach Hoffmann aus dem muffigen Berlin auf, um nach Goa zu reisen ...
Jörg Meyer, Kieler Nachrichten, 21.11.2007.
Brel auf Augenhöhe begegnet Klaus Hoffmann gastierte im Gloria
Hoffmann hatte es nie nötig, den Belgier zu kopieren. Von Anfang an fand er seinen eigenen, oft deklamatorischen Stil, der bei aller aggressiven Bitterkeit der Texte auch die komödiantische Typisierung der Spießer, Säufer und Bigotten, der linkischen Verehrer und behäbigen flämischen Bürger auslebte. Jetzt hat Hoffmann eine souveräne Leichtigkeit erreicht, die ihm in Deutschland keiner nachmacht.
Seine Versionen von "Ces gens-Ià", "Les Vieux" oder "Le Moribond" jagen fern jeder Theatralik Schauer über den Rücken, die er mit Reißern wie "Amsterdam", "Rosa" und "La valse à mille temps" (seiner Iangjährigen Akkordeonistin Lydie Auvray gewidmet) humorvoll wegwischt, ohne den Geist des Abends zu zerstören - was auch ein paar Text-"Hänger" und eine herumkramende Dame in der ersten Reihe nicht schafften. Nie erstarrten die von François Rauber arrangierten und von dem fabelhaften Hawo Bleich am Piano begleiteten Chansons zur Pose, alles wirkte authentisch und konzentriert, wobei die intime Atmosphäre des Gloria den richtigen Rahmen bot.
In Bestform zeigte sich Klaus Hoffmann bei seinem Jacques-Brel-Abend im ausverkauften Gloria. Nach jahrelanger Abstinenz hatte sich der Berliner wieder den Chansons des großen Belgiers (1929-1978) zugewandt, die er so kongenial ins Deutsche übertragen hat. In seinem berührend persönlichen Programm verwebt er die eigene Biografie mit der des Vorbilds, das schon den 16-järihrigen in den Berliner Clubs elektrisierte und das er nie persönlich kennengelernt hat ("Ich wollte mein Idol nicht von der Wand reißen").
Mit seinen Alben "Melancholia", "Insellieder" und "Von dieser Welt" sowie den Romanen, "Afghana" und "Der Mann, der fliegen wollte" hatte der Schauspieler, Sänger und Autor Hoffmann in den letzten zehn Jahren "intensive Vergangenheitsbewältigung" betrieben. Jetzt befand der 56-jährige die Zeit für reif, sich Brel wieder neu anzunähern, auf unpathetische, mitunter fast schnodderige Weise, die bei aller Verehrung stets eine intellektuelle Distanz zu Brel erkennen lässt.
Barbro Schuchardt, Kölner Rundschau, 19.11.2007.
Von Liebe, Tod und Teufel 500 Zuschauer feiern Klaus Hoffmann und sein Jacques-Brel-Programm
Der Sänger im schwarzen Anzug, sein Begleiter Hawo Bleich am Flügel, ab und zu kommt die Gitarre ins Spiel: Vor dieser betont minimalistisch gehaltenen Kulisse wirken tiefe Tristesse, zärtliche Melancholie, wilde Lebenslust – all jene Emotionen, mit denen die Brel-Lieder durchtränkt sind – besonders eindringlich. "Amsterdam", "Marieke" und natürlich auch "Bitte geh nicht fort" ("Ne me quitte pas") – bei solchen Klassikern gibt es schon Applaus aus dem Publikum, kaum, dass die ersten Töne erklungen sind.
Zwischen den einzelnen Nummern plaudert Hoffmann auf unterhaltsame Weise aus dem Leben – aus dem von Jacques Brel und aus seinem eigenen. Er wirft mal selbstironische, gern auch kokettierende Blicke zurück auf die eigenen musikalischen Anfänge und erzählt Witzchen, denen man durchaus anhört, dass er sie in Detmold nicht zum ersten Mal präsentiert. Darf man auch ruhig. Ohne eine gewisse Portion Show kann so ein Chanson-Abend nicht funktionieren.
Komische Akzente setzt er etwa in der mit viel schauspielerischem Elan unterlegten "Bonbons"-Nummer. Am besten, unbedingt authentisch ist Hoffmann jedoch dann, wenn er sich ganz aufs Singen konzentriert, wenn er singend Geschichten erzählt – "von Liebe, Tod und Teufel", wie Hoffmann das Themenfeld der Brel-Lieder umreißt.
Die deutschen Nachdichtungen, die er intoniert, stammen aus seiner eigenen Feder. Viel aus seiner Lebenswelt, seinem Erfahrungshorizont ist in die Texte eingeflossen, und das hört man: Hoffmann singt die Chansons nicht einfach, er lebt sie. Die spröde Melancholie der Menschen und der Landschaft in "Mein Flandernland" oder "So sind hier die Leute". Die Leere in Wohnung und Leben der alten Leute, mit dem Ticken der Uhr als einzigem Zeichen dafür, dass (Lebens-)Zeit vergeht. Die herzhaft-erotischen Ein- und Zweideutigkeiten des "Knokke-le-Zout-Tango". Das alles vermittelt Hoffmann absolut echt. Bewegend.
Getragen wird er dabei vom souveränen und eigenständigen, aber auch stets sensiblen Klavierspiel von Hawo Bleich. Zum Abschied gab es eine stimmige Dosis Pathos in "Wenn uns nur die Liebe bleibt", Applaus, Ovationen – und als Zugabe das wild-berührende Bekenntnis "Ich will Gesang, Musik und Tanz, wenn man mich unter'n Rasen pflügt".
Detmold. Jacques Brels unsterbliche Chansons voll Poesie und bitterer Süße, gesungen von Klaus Hoffmann mit mal weicher, mal derber, immer aber kraftstrotzender Stimme und ebensolcher Bühnenpräsenz: 500 Zuschauer erlebten am Mittwoch in der dicht besetzten Stadthalle das Programm "Wenn uns nur die Liebe bleibt". Hoffmann-Fans? Brel-Fans? Spätestens am Ende des Abends spielte das keine Rolle mehr – "Standing Ovations" gabs von allen.
"blu", Lippische Landes-Zeitung, 9.11.2007.
Mit Brel begann für mich alles Klaus Hoffmann begeisterte im Nikolaisaal
"Mit Brel begann für mich alles", gestand Hoffmann, der seinen Lebensweg mit dem des Flamen verknüpfte und nach der Todesnachricht dachte, jetzt könne er nie mehr Brel singen. Er strafte sich Lügen, sehr zum Gefallen seines Publikums. Klaus Hoffmann imitiert Brel nicht, er gibt ihm eine ganz eigene Note und verschmilzt fast ganz mit dem Idol. Und doch wieder nicht. Denn das, was Brel an intensiver Sentimentalität, die in den 60er und 70er Jahren akzeptiert wurde und auch seinem Wesen entsprach, in die Lieder legte, das versucht Hoffmann durch eine zurückgenommene Haltung so dem Zeitgeschmack anzupassen, dass exakt so viel Gefühl dabei herauskommt, wie man das im Jahr 2007 auch anerkennen kann.
Und: hatte das Publikum ganz zu Beginn schon den Erfolgssong "Adieu Emile" erwartet, wurde es milde enttäuscht: Zwar intonierte Hawo Bleich am Flügel ganz kurz diese Melodie, doch Hoffmann wartete zunächst mit dem weniger bekannten und lakonisch die Liebe zu Paris beschreibenden "Die Vornamen von Paris" auf. Die Hände in den Taschen, dem Mikrophon hingegeben, gleitet das Sprechen langsam in Gesang über. Um dann mit "die Spießer" eine Gemeinsamkeit der Auflehnung gegen diese Sorte Kleinbürger zu entfachen, die wohl auch dem jungen Hoffmann eigen war, als er beschloss, nach dem Schauspielerfolg in "Die neuen Leiden des jungen W." nicht nur auf die Mimenkarriere zu bauen, sondern sein eigenes Ding zu machen. Das hat er bis heute getan, hat neben seinen Liedern auch Bücher geschrieben - darunter "Afghana". Man könne es in der Pause schnell lesen, witzelte er, schließlich seien es nur siebenhundert Seiten. Von seiner Sehnsucht erzählte der Sänger - und die ist wohl auch die Brücke zu Brel, der sich mit 350 Konzerten im Jahr verausgabte, trank, rauchte, was das Zeug hielt und viele Frauen hatte. Diese liefen ihm nach, obwohl er ein Macho war - hier distanzierte sich der singende Schauspieler liebevoll, aber deutlich von Brel. Immer wieder erzählte er von seiner Selbstfindung durch Reisen und durch die Lieder, und gab vor der Pause "In den Quais von Amsterdam", um mit "Madeleine" wieder in die Vollen zu gehen, sich über das Altern und die Alten - "Les vieux" - lustig zu machen, und auch über seine mangelnden Französischkenntnisse beim ersten Brel-Hören. Diese Wissenslücke ist geschlossen, was seinen poetischen Nachdichtungen des Brelschen Liedguts anzuhören ist, und dass die lakonische Sentimentalität diesem Erbe durchaus wohl tut, war einer der Gründe, weshalb das Konzert sehr hörenswert war.
Als zweite Zugabe durfte man sich wiegen in "Emile" - und manche standen sogar zur Huldigung des Künstlers von ihren Sitzen auf.
Der Flügel stand ein wenig in der Ecke, die Gitarre war vom Scheinwerfer angestrahlt, als der von seinem Publikum gleich mit einem warmen Applaus empfangene Sänger Klaus Hoffmann im grauen Anzug auf die Bühne des Nikolaisaals trat. Schon sein erster Satz "Bitte noch mehr von diesem Geräusch" stellte die Gesprächsebene her: kokett, ironisch und liebevoll zugleich war die Moderation, die Hoffmann am Sonntag Abend routiniert darbrachte - und sich auch immer wieder über sich selbst lustig machte. Schon auf seiner ersten Platte 1977 gab es ein paar Lieder des großen Vorbilds Jacques Brel, und im letzten Jahr hat er eine CD mit deutschen Adaptionen der Chansons des 1978 verstorbenen französisch-belgischen Sängers herausgebracht. "Wenn nur die Liebe bleibt", lautet der Titel, und auf Gefühl war das Publikum eingestellt.
Lore Bardens, Potsdamer Neueste Nachrischten, 6.11.2007.
Von Liebe, Tod und dem Teufel Der Sänger Klaus Hoffmann gastierte mit Brel-Chansons im Kulturzelt Wolfhagen
Der Belgier und der Berliner, zwei Seelenverwandte, die sich nie kennen lernten. Vielleicht auch besser so, meint Hoffmann am Dienstag im voll besetzten Wolfhager Kulturzelt Ein bisschen mehr wohl dosierte Selbstironie, ein bisschen weniger überbordendes Pathos - der Junge mit der Klampfe ist reifer geworden. Er ist jetzt 56 Jahre und ein bisschen weise, sein Charme ist ihm geblieben. Kleiner Mann im dunklen Anzug, einer, bei dem man immer ein wenig besorgt ist, ob er sein Hemd auch zugeknöpft hat, mit blitzenden blauen Augen und Schalk um die Mundwinkel. Er geizt nicht mit Mimik und Gestik, er verschwendet sie. Wirft sie mit ausladenden Bewegungen ins Publikum. Da habt ihr die Lieder, sind sie nicht schön? Wie sich so einem entziehen.
So erlebt man, souverän-sensibel begleitet vom Pianisten Hawo Bleich, die großen und kleinen Lieder aus der belgischen Provinz, aus Paris und Amsterdam. Und natürlich auch - irgendwo in der Mitte - fast beiläufig "Ne me quitte pas", "Bitte geh nicht fort". Aber vor allem und immer wieder singt er über das Flandernland, Brels geliebt-gehasste Heimat. Kraftvolle Poesie von der Melancholie der Landschaft und ihrer Menschen: Vom Ticken der Uhr bei den erstarrten Alten, von Männern, die saufen und huren, um der Tristesse ihres Daseins für ein paar Stunden zu entfliehen. Und natürlich von der Liebe und Gefühlen, die dafür gehalten werden.
Souveräner und stimmgewaltiger ist er geworden, ein bisschen weniger gefallsüchtig. Und gelassener: Einfach weitermachen und sehen, wohin es führt. Das Leben freigeben, es wird schon seine Bahnen ziehen. Klaus Hoffmann weiß ein Lied davon zu singen. Und noch eins. Und noch eins. Ovationen im Stehen.
Wolfhagen. Lieder können schwindlig machen. Wenn man sie so singt wie der große Jacques Brel oder wie Klaus Hoffmann, der Schwelger, Schwärmer und Träumer des deutschen Chansons, für den das Wort "Liedermacher" schon viel zu sehr nach Handwerk klingt. Den lässt der vor fast 30 Jahren gestorbene Brel seit Jahrzehnten nicht mehr los. Hoffmann übertrug Brels Lieder nicht nur ins Deutsche, er schnitt sie auf sich zu, machte sie sich zu eigen.
Ullrich Riedler, Hessische / Niedersächsische Allgemeine, 13.06.2007.
"Das Leben des Anderen" Wir haben Klaus Hoffmann nach seinem Konzert in der Bar jeder Vernunft in Berlin getroffen
Warum singen sie wieder Brel?
Ich habe Brel immer verehrt. Er hat mich meine ganze Karriere lang begleitet. Vor zehn Jahren haben wir hier in Berlin ein Musical gemacht. (Die letzte Vorstellung, d. Red.) Und nun, nach all den Jahren, hatte ich wieder das Verlangen, Brel zu spielen.
Sehen wir Sie wieder mit großen Orchester im Stil der Letzten Vorstellung? Damals war das ein spektakuläres Bühnenereignis im Schillertheater.
Nein. Diesmal sind wir ganz minimalistisch. Sie sehen "nur" Hawo (Hawo Bleich am Klavier) und mich. Die Vorstellung diesmal gleicht eher einem Schubert-Abend. Wir haben uns für eine Zeit zurückgezogen, unsere Brel-Erfahrung in die Hände genommen und bringen jetzt was Neues auf die Bühne.
Was denn?
Die Geschichte, die sich durch das Programm schlängelt, ist: Wie kam der damals 16-jährige Berliner Junge darauf, sich diesem Belgier zu verschreiben? Ich meine, ich habe ja nicht mal französisch gesprochen – und dann singe ich natürlich Brel: Die jungen und die alten Lieder.
Sind die Brel-Chansons überhaupt noch zeitgemäß? Finden die Jüngeren diese Musik nicht verstaubt?
Nein, überhaupt nicht. Sie handeln von Liebe, Tod und Teufel. Da hat sich bis heute nicht viel verändert. Aber man muss denen auch das Museum zeigen. Brel erzählen, singen, zeigen, was ihn inhaltlich ausmachte. Außerdem kann man Brel nicht einfach kopieren. Da muss der Schauspieler ran und selbst das reicht nicht aus. Man muss von Brels Wesenszügen gepackt sein. Sonst wären selbst die besten Übersetzungen unerträglich.
Was ist eigentlich das Faszinierende an Brel?
Es ist sein Feuer, seine Melancholie, seine Sprache. Jacques Brel kommt mir heute vor wie der kleine Prinz von Saint-Exupéry, den er sehr bewunderte. Jemand, der durch seine Leidensfähigkeit verdammt war, nur auf der Bühne seine Ideale und Gefühlswelt zu brennen. Im anderen Leben wäre es nicht möglich gewesen. Für welchen Sänger schon?
Diese Unsterblichkeit seiner Lieder, liegt das an den Melodien oder an den Texten?
Vor allem an seinem Wesen, glaube ich, aber auch an seinen manchmal sehr komplizierten Texten.
Viele internationale Künstler waren von Brel fasziniert, wie Bowie und ...
... ja, es gab viele, die Brel gesungen haben. Scott Walker zum Beispiel, ein Engländer oder Sting und David Bowie und andere. Was mich betrifft, so hat mich Raubert (François Raubert, der berühmte Arrangeur von Jacques Brel, d. Red.) eine ganze Zeit lang geprüft. Wissen Sie, er hat sich wirklich sehr mit mir beschäftigt, und dann erst habe ich seinen Segen bekommen. Ich hatte aber auch das unverschämte Glück, dass mir Brels Witwe sämtliches Material von Jacques zum Einblick gegeben hat. David Bowie hatte sich auch dafür interessiert, aber sie gab mir den Vorzug vor Bowie.
Ein schönes Lob.
Ja.
Haben Sie denn etwas mit Ihrem Idol gemein?
Vielleicht ist es dieses immer "wegwollen". Immer auf der Suche sein, nach einem anderen, besseren Leben. Man findet das auch immer in der französischen Literatur. Bei Arthur Rimbaud zum Beispiel oder Boris Vian. Alle, auch die Beatniks der 68er-Jahre, haben immer draußen etwas gesucht, was sie zu Hause nicht zu finden glaubten. Bei mir war das auch so. Ich war ein Junge, der mit 16 versuchte, aus seinem kleinbürgerlichen Umfeld auszubrechen und der schließlich mit 18 das erste Mal nach Afghanistan reiste. Mit einem Unmöglichen Traum (La Quête), da habe ich verstanden, warum Brel auf die Marquesas abgehauen ist. Er wollte weg, hin zu sich.
Gibt es denn nach all den Jahren, die Sie Brel nun schon interpretieren, noch etwas, was Sie noch herausfordert?
Es gibt Lieder, die ich mir früher nicht zutraute. Wie zum Beispiel "Jef". Damals hatte ich Angst vor dieser Melancholie. Ich war gar nicht in der Lage, diese großen Gefühle zu verstehen. Heute sehe ich das anders. Ich bin 56 und verstehe das ein bisschen besser.
Gibt es noch weitere Lieder, die Sie heute anders sehen?
Ja. "Ne me quitte pas" zum Beispiel. Sehen Sie das Lied mal aus den Augen eines Kindes, das sich von seiner Mutter verabschiedet, das sagt: Geh nicht fort von mir!
Jacques Brel hatte in der Südsee auf Atuona gelebt. Waren Sie eigentlich mal dort?
Nein. Ich hätte mich mit ihm treffen können kurz bevor er starb. Aber ich wollte das nicht. Ich hatte Angst, dass er mich nicht gut findet, ganz einfach, dass ich ihm nicht genüge. Damals war er mir mehr Vaterersatz als heute. Außerdem wusste ich, dass er die Deutschen nicht mag. Heute weiß ich, dass die Entscheidung, ihn nicht zu treffen, richtig war. Es ist nicht gut, wenn man sein Idol aufsucht.
Der Berliner Sänger, Schauspieler und Autor Klaus Hoffmann bricht regelmäßig aus seinem eigenen künstlerischen Leben aus. Dann singt er Brel. Hoffmann kopiert ihn nicht. Er ist Brel – einen Abend lang. Jedenfalls bleibt dieses Gefühl bei seinem begeisterten Publikum zurück. Wenn sich auf der Bühne die Metamorphose vollzieht, wird man in das existenzialistische Paris der späten 50er Jahre zurückversetzt. Hoffmann streift sein eigenes Dasein ab und lebt in diesen Momenten.
Reisemagazin "Adieu Tristesse", Ausgabe 2. Quartal 2007, ohne Autorennennung.
STADTMENSCHEN Traum von Brel: Jubel für Klaus Hoffmann
So auch diesmal. "Wenn uns nur Liebe bleibt" hat Klaus Hoffmann seinen Abend mit Liedern von Jacques Brel genannt. Dem 1978 verstorbenen Chansonnier, der seit über 30 Jahren die künstlerische Entwicklung des Berliners bestimmt. 1997 steht Hoffmann in der Weltpremiere des Musicals "Brel - die letzte Vorstellung" im Schillertheater auf der Bühne, was ihm die "Goldene Europa" für das "Bühnenereignis des Jahres" einbringt. In seinem neuerlichen Brel-Abend ist der Sänger seit vergangenem Dezember nur mit seinem Pianisten Hawo Bleich auf Tour. "Hinreißend" befand Alfred Biolek den Abend in der Bar jeder Vernunft, den der Zeit-Berliner am Tisch von Klaus Wowereit und dessen Lebensgefährten Jörn Kubicki genoss. Ungeheuer habe sich der Sänger entwickelt, sagte Biolek über den Künstlerkollegen, den er zuletzt vor 20 Jahren auf der Bühne erlebt habe.
Dagegen haben Walter Momper, Katja Ebstein und die Gerhard-Hauptmann-Enkelin Anja Hauptmann den Künstler oft gehört. "Aufwühlend" fand Momper das Hoffmann-Konzert, für das sich der intime Rahmen des Spiegelzelts besonders empfehle. Große Bühnen sollten ihm verboten werden, witzelte der Parlamentspräsident, gut erholt vom Osterurlaub auf Sizilien. Im Spiegelzelt konnte Momper erst nach der Pause neben Ehefrau Anne mitklatschen, vorher saß er bei "Klipp und klar" im RBB-Fernsehstudio. In der Bar jeder Vernunft gehörte das Ehepaar dann neben der rot-schwarz gekleideten Grünen-Politikerin Anke Vollmer zur Schar der Premierengäste, durch die sich der Gefeierte regelrecht durchherzen musste.
Wer keine der Restkarten (Telefon: 883 1582) für die Brel-Nacht ergattert: Vom 30. Oktober bis 2. November gibt es vier Zusatzkonzerte im Tipi.
Nach "Adieu Emile" gab das Publikum in der Bar jeder Vernunft am Dienstagabend endlich Ruhe. Abende mit Klaus Hoffmann verlaufen immer gleich -- zur Begrüßung spenden die Gäste Beifall zum Wiedersehen und -hören mit "ihrem" Sänger, zum Abschied klatschen sie sich die Hände wund, trampeln und pfeifen und wollen nur eines: Zugabe um Zugabe.
"hema", Rubrik "Stadtmenschen" im "Tagesspiegel", Berlin, 19.04.2007.
Brel-Chansons lassen ihn nicht los Liederabend mit Klaus Hoffmann im Frankfurter Hof berührt die Herzen des Publikums
Jacques Brel lässt ihn nicht los. 1979 widmet Klaus Hoffmann ihm gar ein komplettes szenisches Konzert Konzept und nimmt mit Brels Originalarrangeur F. Rauber einige Lieder auf. Nun ist Klaus Hoffmann wieder zu Brel zurückgekehrt.
Dem "Sänger" Hoffmann muss in keinem Moment bange sein, sich an diesen Maßstäben messen zu lassen – und das, ohne diesen Maßstäben zu entsprechen! Denn er findet wohltuend genau die richtige Balance zwischen authentischer Vermittlung Brel`scher Inhalte und eigener Sinn- und Stilgebung: Hoffmann ist ohne Zweifel der berechtigte Statthalter Brels in Deutschland, ohne je in Gefahr zu kommen, den Chansonnier zu imitieren. Das könnte eh nur schief gehen.
Doch angefangen vom Eröffnungslied "Die Vornamen von Paris" über melancholische Impressionen wie "Das flache Land" und fröhlich schnatternde Komik-Nummern wie "Madeleine" bis hin zum Schlusspathos von "Wenn uns nur Liebe bleibt" war alles im Lot.
Der vorzügliche Pianist Hawo Bleich an seiner Seite garantierte für stets angemessene und passende instrumentale Grundierung. Die Lieder konnten atmen und eigenes Leben entwickeln.
Der Ablauf des aktuellen Programms ist weitgehend angelehnt an das szenische Konzept von `97. Doch anders als dort agiert Hoffmann nicht aus einem fiktiven (Theater-)Text zur Person Brels heraus, sondern bettet die Lieder in locker plaudernde Moderationen über seine eigene Biographie ein, beschwört die Bedeutung Brels für seine musikalische Prägung. Das weit ausschwingende "Marieke", das kindliche "Rosa", der abgründige "Totentango" werden zu Kabinettstückchen für Hoffmann.
Und in der satirisch-burlesken Szene der "Spießer" oder der "Bonbons"-Karikatur kommt ihm sein schauspielerisches Handwerk sehr zupass. Allein in seiner stimmlichen Präsenz hätte man sich ein Quäntchen mehr Hingabe gewünscht: Hoffmann scheint davor zurückzuschrecken, sich vollständig in die vorderste existenzialistische Front zu entlassen, an der Brel singt. Aber er kommt nahe heran.
Dieser "Liederabend" im vollbesetzten Frankfurter Hof lässt zwei Künstlerpersönlichkeiten erleben: Jacques Brel und Klaus Hoffmann. Der aus Belgien stammende legendäre Großmeister des französischen Chansons, der 1978 an Lungenkrebs starb, lebt in Hoffmanns Gesang – und zeigt seine Genialität als Texter und Komponist von Chansons, die einen an der Gurgel packen und das Herz durchschütteln, so wie auch als maßstabsetzender Interpret seiner eigenen Werke.
Frank Wittmer, Allgemeine Zeitung - Mainz, 3.3.2007.
Alle Jahre wieder Klaus Hoffmann singt Brel in der Alten Oper
Hoffmann weiß gekonnt zu unterhalten. Gleichzeitig, so scheint es, bleibt er völlig bei sich. Bewegend verknüpft er die Lebensgeschichte Jacques Brels mit seiner eigenen und die wiederum mit den Liedern des unvergessenen Belgiers, der wie kaum ein anderer für das französische Chanson steht. Persönlich kennen gelernt hat Hoffmann seinen "Vater im Geiste" allerdings nie.
Klassiker wie "Marieke", "Amsterdam" und "Mein Flanderland" dürfen an diesem Abend nicht fehlen. Bissiger Spott ergießt sich über die "Spießer". Aufmunterung im Elend soll dam Saufkumpanen "Jef" zukommen, und die bittersüße Unerträglichkeit des Seins kommt nicht nur zum Vorschein, "Wenn die Flämin tanzt". Kraftvolle Töne wechseln mit zärtlicher Melancholie. "Wäre ich den Liedern von Jacques Brel nie begegnet, wäre ich nicht der, der ich heute bin", erklärt Hoffmann, vom exzellenten Pianisten Hawo Bleich begleitet. Nichts liegt ihm ferner, als Brel zu imitieren. Vielmehr möchte er "ein Lebensgefühl heraussingen" – und zwar auf ganz eigene Art.
Klaus Hoffmann trägt einen klassischen Anzug – ein Barde von stattlicher Gestalt. Mit lässiger Selbstverständlichkeit duzt er das Publikum im ausverkauften Mozartsaal der Alten Oper. Ein "Sie" wäre tatsächlich unpassend. Viel zu intim ist die Atmosphäre, die er durch eine gelungene Mischung aus Geplauder und Gesang schafft. Tatsächlich scheint ein Großteil der Zuhörer dem 55-jährigen Berliner schon seit den Anfängen in den 70 er Jahren die Treue zu halten. Selbstironische Anspielungen auf frühe Jahre sorgen für Gelächter. Und die wenigen, die noch nicht zu seinen festen Anhängern gehören, werden hernach in seinen Bann gezogen.
Anke Steinfadt, Offenbach-Post, 30.11.2006.
Der Warmblüter Klaus Hoffmann in der Alten Oper Frankfurt
Klaus Hoffmann ist wie ein solcher Warmblüter. Mit unverminderter Kraft, die er klug zu dosieren weiß, und mit einer zunehmend für sich einnehmenden Eindrücklichkeit nimmt er die Zuhörer seines Konzertes in der Alten Oper Frankfurt gefangen. Dem großen Chansonnier Jacques Brel hat er sein aktuelles Programm gewidmet, mit der derzeit durch Deutschland tourt. Auf seiner Seite nur sein Pianist Hawo Bleich, der den Sänger unauffällig und stets aufmerksam begleitet auf seiner Reise durch die Liederwelt Brels. Zwischen beiden Musikern entspinnt sich so eine Intimität, die der Atmosphäre in Brels Chansons besser unterstreicht.
Zwei Stunden singt der Berliner, der sich auch als Schauspieler Meriten erworben hat, von Liebe, von Schmerz, von der Angst vor Einsamkeit und Alter. Mal zieht er in "Die Spießer" alle Register, schleudert die derben Vokabeln über die piefigen Dorfbewohner, die sich für etwas Besseres halten heraus. Die Männer, von denen Hoffmann in "Amsterdam" singt, sind ganze Kerle; Sie urinieren nicht, bei ihm pissen sie. Und sie husten, saufen, fressen. Man glaubt ihm, dass er selbst sehr gut weiß. Wovon er da singt. Eben ein Warmblüter, einer, in dem das Leben pulst, der immer nach Wärme sucht, der sich nach Liebe sehnt.
Keck wird er in "Wenn die Flämin tanzt", melancholisch in "Mein Flanderland" oder anzüglich-erotisch in "Knokke-le-Zout-Tango". Seine Übersetzungen der Brel-Chansons sind mehr als bemerkenswert, weil sie nicht eins zu eins übertragen sind, sondern aus ganz eigenen Welten zu berichten wissen. Eben Welten, wie man sie von Hoffmann kennt: warm und rund wie ein Weib, aber eben auch düster und leer, verstiegen und kompliziert.
Und so zieht Hoffmann seine Runden im Staub der Bahn. Weil er nicht anders kann. Und weil er gar nicht ankommen will. Er hat immer noch genügend Geschichten zu erzählen – Geschichten, bei denen einem der Atem stockt, bei denen einem Tränen in die Augen steigen. Auch mit 55 Jahren hat sich ein Künstler wie er noch einen Hauch Unschuld bewahrt. Sicher ist sein Monolog einstudiert, jeder Satz wohl gewogen, doch dazwischen in einem Glitzern der Augen, einem kurzen Zögern beim Erzählen entdeckt man den sensiblen Künstler, der sein Leben in seinen Liedern verarbeitet. Wie es Brel einst getan hat. Und was Hoffmann jetzt noch einmal zum Leben erweckt. Man muss ihn seine Runden ziehen lassen, den Blüter. Und bewundernd dabei zusehen.
Laufen, laufen, laufen. Strecke machen. Weiter kommen und Boden gut machen. Und das Leben Runde um Runde an sich vorbei fliegen lassen. Wenn auch jetzt in gemächlicherem Trott, in dem die Kreise langsamer gezogen werden. So zieht der in die Jahre gekommene Warmblüter seine Runden im Staub. Aber an Ausdruck kommt da kein junges Talent so schnell mit.
Bettina Kneller, Main-Echo, 29.11.2006.
Es tut so schön weh Klaus Hoffmann singt Jacques Brel im Theater am Aegi
Gar nicht berechnend bedient Klaus Hoffmann mit dem neuen Brel-Programm zweierlei: die ewige Sehnsucht des Publikums, bereits Bekanntes zu hören, und die Gier nach Neuem, die im Fall Brel leider begrenzt ist, weil er zwar unsterblich, aber eben doch tot ist. Hoffmann schaut immer wieder auf die Chansons des großen Belgiers, entdeckt Neues, übersetzt Altes auf ungewohnte Weise und sucht ansonsten auf Brel'scher Spur immer wieder sich selbst, bleibt nicht stehen. "So sind hier die Leute", "Ich lieb' Dich noch", "Mein Flandernland" und "Geh' nicht fort von mir" – es lohnt sich hinzuhören, die Chansons haben sich weiterentwickelt.
Nicht zuletzt, weil Hoffmann mit Hawo Bleich einen eigenständigen, einfühlsamen Partner auf der Bühne hat. Einen, der selbstbewusst auch mal chromatische Läufe in die Begleitung träufelt, so dass sich die Töne ein bisschen beißen, so wie ja auch Brels Sprache weh tut, Und obwohl Bleich ein ganz eigenes Brel-Programm hat, geht er nie in Konkurrenz zum Sänger, bleibt nur ein ganz kleines Stückchen hinter der Stimme zurück. Angenehm aufrecht und genau. So einen Tastenmann muss man erst mal finden.
So fliegt der Abend fort. Schon muss man sich die Hände heiß klatschen. Mehr will das Publikum, mehr. Doch das Licht geht an, Konservenmusik. Trotzig bleiben alle stehen, klatschen, rufen, pfeifen. Das hält einer wie Klaus Hoffmann nicht aus. Das schafft er nicht. Auf Socken kommt er zurück, das Hemd schon überm Hosenbund, und singt das Lied vom unendlichen Traum. Da wissen die Getrösteten in den Sesselreihen: Der Mann kommt wieder.
Er ist wilder geworden, mutiger, sicherlich aber auch zärtlicher und reifer, der Mann mit der weichen Stimme, mit dem schief geknöpften Jackett, mit dem leichtfüßigen Seitgalopp, der Mann mit der Gitarre. Klaus Hoffmann hat jahrelang anderes gesungen, geschrieben, komponiert, aufgearbeitet, um sich nicht völlig in Jacques Brel zu verlieben. Jetzt ist er nach einem ausgiebigen Ausflug zu sich selbst zu dem zurückgekehrt, der ihn am meisten inspiriert: Jacques Brel. Im fast ausverkauften hannoverschen Theater am Aegi sang und spielte der 55-jährige Berliner seine aktuellen Brel-Versionen im Duo mit Hawo Bleich am Flügel.
Karin Vera Schmidt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 22.11.2006.
Der graublonde Wolf aus der Kellerkneipe Ach Suff, ach Liebe! Klaus Hoffmanns packender Brel-Abend in Braunschweig – Sponti-Duett mit Reinhard Mey
Doch, die gibt's noch! Wir möchten einen etwas altmodischen Vorschlag machen: Klaus Hoffmann. Entäußerungsexperte, Hochdruckschwärmer, graublonder Wolf der großen Gefühle und wohl auch Therapeut in eigener Sache, ewig jung und dann doch ganz schön aus der Puste. Vor allem aber: authentisch.
Aus der alten Liebe zu den wüst leidenschaftlichen, packend starken Chansons von Jacques Brel hat Hoffmann sich wieder einen deutschen Liederabend gebastelt, ein in keiner Hinsicht neuartiges, doch in jeder Hinsicht schönes Klausjacques-Brelmann-Gewusel mit Pathos-Garantie. Hunde, wollt ihr ewig brellen? Hoffentlich!
Sechshundert Zuschauer im Braunschweiger Staatstheater sind hingerissen von dem, was Hoffmann und sein exzellenter Pianist Hawo Bleich mit der Hinterlassenschaft den großen französischen, pardon: belgischen Sängers anstellen.
Die Pisse im Hafenbecken von "Amsterdam", die wonnevolle Erwartung der "Mathilde", der wohlfeile Spott über "Die Spießer" – der Suff, die Huren, der Regen auch und die Liebe, ach, die Liebe...
Klaus Hoffmann, geboren 1951 in Berlin, singt nicht wie Brel. Nicht so toll wie Brel, mag sein, aber immerhin imitiert er nicht. Hoffmann badet im Gefühlsaroma der unvergänglichen Nummern – und bleibt trotzdem bei sich. Zwischendurch spricht er über seinen Kindheits-Kummer, die Eltern, das Etagenbett, die Unbedarftheit seiner frühen Jahre, über die die Kellerkneipe, wo er "Les Vieux" hörte, als er noch glaubte, das hieße: Die Löwen.
Hoffmann formuliert bittersüß, das klingt nach Männergruppe. Ehrlich, wer von den heute die Plätze an den Mikros dominierenden Jungsängern würde – so angebracht es auch wäre – diesen Satz über sich sagen? "Es war für mich sehr schwer, meine Musik zu finden."
Natürlich war es schwer und ist es schwer. Auch Jacques Brel, der getriebene Fabrikantensohn, hat schwer gelitten, schon lange, bevor der Krebs ihn zerfraß. Bei "Adieu Emile" unterläuft Hoffmann das Original auf enttäuschende Weise, "Bitte geh nicht fort!" ruft er allerdings zum Herzerweichen.
Am kitschig schönsten ist dann aber doch das Folgende: "Ich möchte jetzt meinen Freund und Bruder Reinhard Mey auf die Bühne bitten", sagt Hoffmann, und schon blitzt Deutschlands drahtigster Barden-Grauschopf im Scheinwerferlicht, schon herzen sich die beiden, schon stimmen sie an: "Ich wollte wie Orpheus singen", jenes Lied, mit dem sich der junge Mey 1964 auf die Bühne von Burg Waldeck stellte.
"Meine Lieder sing' ich dir/ von Liebe und Ewigkeit/ Und zum Dank teilst du mit mir/ meine Mittelmäßigkeit./ Kein Fels ist zu mir gekommen/ mich zu hören, kein Meer!/ Aber ich hab' dich gewonnen/ und was will ich noch mehr?"
Richtig schön war's.
Am 20. November auch in Hannover.
Bob Dylan war schlecht gelaunt. Wo sind eigentlich die unbedingt authentischen, die richtig starken Sänger-Typen geblieben, maulte der Guru neulich im Interview: "Ich rede von Künstlern mit der Willenskraft, sich keiner anderen Wirklichkeit anzupassen als der eigenen."
Harald Likus, Braunschweiger Zeitung, 6.11.2006.
Von Zweifeln, Ängsten und Sehnsüchten Klaus Hoffmann singt Brel bei der Eröffnung von "Classic Open Air"
Das überhaupt ist das Bemerkenswerteste im Gespräch mit dem ganz uneitel gern von sich selbst, seinen Zweifeln, Ängsten, Sehnsüchten erzählenden Schauspieler, Sänger, Liedermacher, Romanautor. Bei allem überschäumenden Redefluß wirkt er angenehm nachdenklich, verhalten und, wenn's ans wirklich Persönliche geht, geradezu scheu. Hoffmann redet viel, aber er schwatzt nicht. In Gold geprägte, druckreife Sätze serviert er keine. Ihm genügen die kleinen Worte, um das Große, das ihn bewegt, auszudrücken. Da ist er im Privaten ganz eins mit der öffentlichen Figur, dem Mann, der in seinen Konzerten die Gefühle des Publikums geradezu peitscht und so immer wieder einen wonnigen Taumel zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt erschafft.
Das wird ihm, ganz sicher, auch morgen Abend auf dem Gendarmenmarkt gelingen. Wie schafft er das nur? "Der Schauspieler tritt auf der Bühne mehr und mehr zurück, ich bin immer stärker ich selbst", sagt Hoffmann. Das Einfache, das so schwer zu machen ist. Wenn er fürs Publikum singt, erzählt, spielt, dann ist das keine Einbahnstraße. Den Reichtum an Gefühlen, den er verschenkt, empfindet er selbst. Noch heute erzählt er spürbar erschrocken von jenem lang zurück liegenden Gespräch mit einem berühmten Kollegen, der ihm gestand, auf der Bühne gar nichts zu empfinden. Nun denn doch einmal ein schweres Wort: "Ich bin da wirklich ganz wahrhaftig." Diese Wahrhaftig spürt jeder, der ihn erlebt, ob im Konzert oder im Gespräch auf der Couch in seinem Berliner Büro.
Man begegnet tatsächlich einem guten Menschen. Einem, der voller Achtung und Zuneigung von Kollegen erzählt, wie der Knef, Aznavour, Juhnke, der sich um die Gesundheit der 84-jährigen Mutter und ihres Lebensgefährten sorgt, dessen Augen leuchten, wenn er nur den Namen seiner Frau ausspricht, der bei allem Ruhm seine Herkunft nicht vergessen hat. Da wird dann auch manches nicht gesagt oder, etwa beim Erinnern der Kindheit, nur verschlüsselt, in kurzen Sätzen wie: "Wir waren arm, und ich erinnere Momente heftiger Scham... " Und schon kratzt er sich nervös an der Wange, schaut eindringlich und fragt nach dem Befinden des Gegenübers. Was keine Pose ist. Mit schöner Selbstverständlichkeit will er nicht nur geben, er möchte auch bekommen.
Eines zuerst möchte Klaus Hoffmann, wie wir alle, bekommen: Liebe. "Ich hab' ein Leben lang nach einem Halt gesucht." Dieses Bekenntnis, mit geradezu schockierender Unerschrockenheit im letzten Konzert "Von dieser Welt" von der Bühne geschleudert, ist wohl einfach nur wahr. Ob er von Orson Welles' Kino-Klassiker "Citizen Kane" schwärmt, von Jerome D. Salingers Roman "Der Fänger im Roggen" oder von seinem alten Freund Siggi, ob er von dem Filmdrehbuch erzählt, an dem er gerade arbeitet, sich an einen Nachmittag in seinem Garten mit Hildegard Knef erinnert, oder ob er den Vater beschwört, der starb, als er zehn Jahre alt war - Klaus Hoffmann erzählt von Augenblicken der Liebe, die er gegeben, die er empfangen hat, von der Angst davor, Liebe vergeblich zu suchen.
Angst, auch so ein Thema. Vor dem Alter? "Nein, vielleicht vor dem Sterben, bestimmt vor dem Empfinden der eigenen Endlichkeit. So viele Freunde und Verwandte sind nicht mehr da... " Langes unruhiges Schweigen. Sein Blick ist hellwach. Klaus Hoffmann noch immer und immer wieder auf der Suche nach sich selbst. Kurz vorher war das Gespräch um die Frage gekreist, ob es Engel gibt. Jetzt ist der Flügelschlag eines Engels zu spüren. Ganz leise. Da gibt es nichts mehr zu sagen. Man weiß, daß man in diesem Moment glücklich ist. So, wie in den besten Momenten der Konzerte von Klaus Hoffmann.
Hoffmann singt Brel. Fans wissen: Das bedeutet ungeschminkte Leidenschaft, Hingabe an die Lust des Träumens. Keiner hierzulande singt Chansons von Jacques Brel so intensiv wie Klaus Hoffmann, holt die alten, dabei ewig jung anmutenden Lieder derart innig ins Heute. Begegnet sind sich die beiden nie. Hoffmann ist ein Seelenverwandter, Brel für ihn "Freund, Bruder, Vater", wie der 56jährige Berliner nachdenklich und zögernd meint. Er spricht es nicht aus, doch es ist zu spüren: Hoffmann liebt Brel.
Peter Claus, Berliner Morgenpost, 5.7.2006.
Der Mann, der Berlin vertont Klaus Hoffmann, Berliner Sänger und Schauspieler, über Frauen, Melancholie, die Havel, den Funkturm und Harald Juhnke
"Frauen müssen stolz sein"
Darüber muß er immer noch lachen. Ein Mann mit zarter Seele und feinen Händen. Unheimlich anziehend für Frauen, unheimlich angezogen von Frauen. Seine heißt Malene (ohne "r"), Hochzeit nach 20 Jahren Liebe (2001 in Dänemark). Trauzeugen: Natürlich Reinhard Mey mit seiner Hella.
Frauen?
Wie fing alles an?
Berlin...
Genuß:
Bei der Demo für die Kudamm-Theater war Hoffmann dabei. "Juhnke lebt!" als Plakat redete man ihm aus. "Aber es stimmt: Harald lebt dort noch, in diesen Theatern. Mein Gott, wir sprechen von einem Verstorbenen! Er mochte leise Lieder, er wollte aber auch klotzen. Ich schrieb das Couplet für uns beide: Treppe ruff, Treppe runter, Treppe ruff. Er war das, was man einen Volksschauspieler nennt, mit Haut und Haar."
"Ich bin gar kein Sänger"
Klaus Hoffmann ist es auch. Er war Schauspieler (Bambi und Goldene Kamera für den "Jungen Werther"-Film 1976). Dann wurde er Sänger (Debüt 1978 als Jacques Brel-Interpret). "Ein Sänger ist einer, der auf der Bühne steht und seine eigenen Drehbücher singt. Ich habe dreißig Jahre gebraucht, um herauszufinden, daß ich eigentlich kein Sänger bin. Ich gehe jetzt zurück und werde Schauspieler. Ich will wieder Bühnenarbeiter werden. Aber wahrscheinlich gehören die drei zusammen, der Schauspieler, der Schreiber und der Sänger."
Er erholt sich von seiner letzten Tournee. "Von dieser Welt". Finale in Berlin, 7000 Fans. Wieder so ein großer Erfolg. Nach drei Jahrzehnten auf der Bühne, nach 300 eigenen Liedern. Woher nimmt der das, wie kann der das? Quelle, die nie versiegt. Klaus Hoffmann lächelt sein augenzwinkerndes Lächeln. Wir schlürfen Kaffee am Schloß. Hier wuchs er auf. Taufe in der Luisenkirche. Jugend im Schloßpark. Aus dem Jungen wird der Romantiker von Berlin. "Frauenanbeter", "Softi", sagen die einen, andere halten ihn für schwul.
"Müssen diese gewisse Distanz haben, Würde, Stolz." Er sieht so gut aus, wie auf dem Cover von Jim Rakete. Er spricht, wie er singt, mit Song-Poesie und Schlagerlyrik, assoziativ. Intellektueller und Volkssänger in einem. Unglaublich eigentlich. In seinen Augen ist Trauer und Humor und sehr viel Wärme. Geheimnis des Erfolgs? "Ich habe eine furchtbar harte preußische Disziplin anerzogen bekommen, das hilft mir sehr."
"Als mein Vater starb, war ich überhaupt nicht bereit zu lernen, dann war der Zug abgefahren, also ging ich mit der Mittleren Reife ins Leben. Ich absolvierte eine Lehre als Kaufmann, da bin ich so reingetapert. Man sagte mir: Wollen Sie viel Geld verdienen? Ich sagte: Unbedingt. Nun, ich bin dann nachts mit der Gitarre durch die Clubs gezogen. So begann es."
"...ist Poesie, Melancholie und auch Dreck der Straße. Hier gibt es einen gewissen Reichtum, den Du Dir auch erlauben kannst, ohne daß Du besonders viel Geld hast. Das macht die Stadt erotisch." Sie haben Berlin vertont... "In den 70ern, als Berlin sehr In war, da verkörperte ich diese Stadt, so wie Jacques Brel Paris. Ich dachte: Welche Musik spielst Du jetzt? Rock'n' Roll paßte nicht. Blues? Berlin war kein Kornfeld. Da blieb die europäische Tanzmusik mit allen ihren Abwandlungen." Hat er jetzt mich oder sich auf die Schippe genommen? Wir springen weiter. "Irgendwas gefällt mir an der Havel nicht. Sie ist ein seltsamer Fluß, so melancholisch-traurig. Hoffmann wohnt in Kladow. "Abgehauen aus Charlottenburg", in Berlin geblieben. Spricht nur hochdeutsch. Niemand ist mehr Berliner als der. "Der Funkturm ist nicht so groß, wie wir die Stadt haben wollen. West-Berlin verliert an Glanz..."...aber das heißt nicht, daß andere Berliner Zentren glamouröser wären."
"Entweder trinke ich gar keinen Alkohol oder zuviel. Ich habe gerade die schweren spanischen Weine entdeckt." Wir lachen. Und dazu gab es neulich im Freundeskreise, die Grünen-Politikerin Antje Vollmer hatte gekocht, Lamm mit Oliven und Zitronenscheiben, scharf gewürzt, kleine französische Kartoffeln mit Schale, grüne Bohnen. "Mann, hat das geschmeckt."
Fragt sich nur, ob die Fans den Sänger ziehen lassen.
Gunnar Schupelius, BZ am Sonntag, 26.2.2006.
Nicht von dieser Welt Der Berliner Chansonnier Klaus Hoffmann begeistert im Friedrichstadtpalast
Klaus Hoffmann ist der wohl intelligenteste Chansonnier hierzulande. Er verkauft keine Gefühle. Nein, er verschenkt sie. Immer. Und immer, scheint's, ist er dabei vollkommen aufrichtig, eins mit dem, was er tut. Vielleicht ist das eine Show. Wenn ja, dann trifft allein das Etikett "genial". Aber das Blitzen in den Augen des 54-jährigen, der oft zitternde Witz in der Stimme, das unentwegt hier und da und auch dort nach Zuneigung heischende Flattern der Hände drängen den Eindruck auf, daß der Mann vollkommen wahrhaftig ist. Dazu gehört, daß er sich nicht anbiedert. Glätte ist ihm fremd. Da vergißt der Barde dann schon mal eine Textzeile, schliddert über die Töne, daß es knirscht. Egal. Denn der Schlag seines Herzens gibt den Ton an. Und dem kann sich niemand entziehen.
Klaus Hoffmann singt und erzählt von Klaus Hoffmann. Diese Beschränkung verleiht dem Programm Größe, durch Fragen wie "Weißt Du noch?" und "Was ist aus uns geworden? Aus den Spielen wurde Krieg." Die vollkommene Innigkeit, die er dabei ausstrahlt, gibt den Blick frei auf die Welt, mit all ihrem Licht und Schatten. Die Geschichten rund ums eigene Ich sind bei aller Emotionalität und Subjektivität überaus klarsichtige Zustandsbeschreibungen der gesellschaftlichen Realität. Das kann weit und breit kein zweiter! Dabei machen bekannte Hits und neue Lieder süchtig nach Seligkeit, und danach, etwas von seinem Mut zu haben, lachend über sich selbst gegen manche Unbill des Alltags anzugehen. Das Gefühl von Glücklichsein wird doch tatsächlich greifbar. Doch Sentimentalität läßt er nicht zu. Schleicht sie heran, serviert Klaus Hoffmann tänzelnd einen Schockmoment mit dem Bekenntnis "Ich hab' mein Leben lang nach einem Halt gesucht". Man hält die Luft an.
Der Berliner Junge mit der Klampfe ist zum Mann gereift, der sich zum Pathos bekennt. Darum kann er sich trauen, so schwere einfache Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens zu stellen. Musikalisch reicht das vom Bossa Nova über den Sirtaki bis zum Jazz. Inhaltlich umspannt das nichts als das Leben an sich und im besonderen. "Von dieser Welt" heißt die Tournee, die schon zwei Mal in der Philharmonie Station machte, jetzt also im Friedrichstadtpalast. Der erste Eindruck bleibt: Wo ein Grönemeyer schreit, ein Westernhagen jault, singt Klaus Hoffmann. Ganz einfach, ganz schwer - und oft nicht von dieser Welt. Bravo!
Klaus Hoffmann mußte klotzen. Das Publikum im Friedrichstadtpalast ließ sich nicht im Handstreich erobern. Er hat geklotzt, und wie! Dadurch wurde der Abend zu einem seltenen Glücksfall: Hier war mitzuerleben, wie ein Mensch mit Leidenschaft und Hingabe Kunst erschafft. Und das Publikum auf seine Seite zieht. Dafür bekam er nach drei Stunden Standing Ovations, einen Beifallssturm und ein Pfeif-Bravo-Jubel-Konzert, das klang, als läge die Halle im Zentrum eines gigantischen Feuerwerks. Wer dabei war, wird das nie vergessen. Als Draufgabe bekam er einen riesigen Strauß weißer Rosen von Herman van Veen, der noch bis Sonntag im Haus gastiert.
Peter Claus, Berliner Morgenpost, 11.1.2006.
Der Herzenversteher Konzert: Klaus Hoffmann im Kongress-Saal der Halle Münsterland
Auch nach 30 Jahren Bühnenpräsenz: Klaus Hoffmann war in Topform und begeisterte mit mutmachenden Chansons und liebenswerten Aufforderungen, die eigenen Träume zu verwirklichen. Der Herzenversteher glänzte vor allem bei seinen Gänsehaut-Balladen, die zugleich Tränen kullern ließen und Herzen wärmten, da sie bei aller Melancholie sanfte Lanzen brachen für das Leben und die Liebe. Hoffmann badete förmlich in seinen Liedern wie in weichen Wellen und ergänzte seine facettenreiche Stimme um ausdrucksstarke Pantomime, die zuweilen an einen traurigen Clown erinnerte.
Zugleich sorgte der 54-jährige aber auch für mächtig Power mit Up-Tempo-Songs, allesamt gesellschaftskritische Zustandsbeschreibungen – wobei er gekonnt Klassiker mit Novitäten mischte. Dabei brillierten die Musiker Stephan Gänze (dr), Hawo Bleich (kb), Peter Keiser (b) und vor allem Gitarrist Michael Brandt mit umwerfend glasklarem Sound. Hoffmann selbst legte – ob beim Rock, Bossa Nova, Sirtaki oder Easy Listening Jazz – auch mal die ein oder andere muntere Tanzperfomance ein und schonte sich zu keiner Minute. Leichte Textpatzer verarbeitete er zu spontanen Gags.
Bei den Hits klebte das Publikum an seinen Lippen, sang minutenlang textsicher mit. Hoffmann wanderte zum Dank durch die Reihen und leih Fans sein Mikrofon. Zwischendurch war der charismatische Berliner auch ein glänzender Komödiant, der mit kesser Lippe satirische Seitenhiebe auf Bush und Merkel verteilte, sich aber auch selbst genüsslich durch den Kakao zog und lausbübisch kalauerte. Nach 150 Minuten inklusive fünf Zugaben fiel mit „Mein Weg“ der Vorhang. Selten hatte man sich bei einem Konzert so wohl gefühlt.
Münster - Ganz allein betritt der Gefühlsarbeiter die Bühne des ausverkauften Kongress-Saales der Halle Münsterland, lächelt leise, schmust mit seiner Gitarre und erobert gleich auf Anhieb das Publikum. Seine poetische Stimme kriecht unter die Haut, seine gnadenlos innigen Lieder über Empfindungen und Empfindlichkeiten berühren tief.
Peter Sauer, Münstersche Zeitung, 19.12.2005.
Mitsingen, mitsummen, mitklatschen Klaus Hoffmann in der Laeiszhalle
Er sang von seiner Kindheit, dem Dorf, dem Tod des Vaters, den Armen der Mutter, dem Beginn seiner Karriere und allem, was ihn seit 30 Jahren auf der Bühne unentwegt bewegt: der Sehnsucht, fliegen zu können. Geliebt zu haben und immer wieder neu zu lieben und der Scheu, diese Worte auszusprechen. Das alles virtuos und routiniert. Sanft und rockig, leise und lärmend. Das Publikum, Männer, Frauen, von jung bis ins späte Mittelalter, hatte er schnell im Griff. Mit eingängigen Texten, die seine Fans mitsingen, mitsummen und mitklatschen können. Weniger versierte Zuhörer hatten es schwer, die Wortspiele zu verstehen.
Für viele war es ein Abend wie auf der Couch im Wohnzimmer. Es wurde gekuschelt, Händchen gehalten und auch mal eine Träne vergossen. Vor allem bei "Ich habe geliebt" und "Was fang' ich an in dieser Stadt". Melancholie, Weltschmerz und ein bißchen Aufbegehren in der Tradition von Jacques Brel und Bob Dylan, seinen großen Vorbildern. Bei seinen Oldies aus den 70er Jahren wie "Sarah" und "Blinde Katharina" ging ein Stöhnen durch die Reihen.
Drei Stunden lang war Hoffmann in Hochform. Grandios begleitet von seinem eingespielten Team Hawo Bleich (Piano), Bassist Peter Keiser, Stephan Genze (Schlagzeug) und Gitarrist Michael Brandt. Es sei ein Abend der Fragen, sagt Hoffmann. Warum? Warum? "Ich stell' die Fragen, Sie zahlen. Die Antworten kenn' ich auch nicht."
Klaus Hoffmann ist ein Dauersuchender geblieben. Und den Seelenschmerz trägt er hin- und mitreißend vor sich her. Alles ist endlich, heißt es in einem seiner Lieder. Für diesen Abend wollten seine Fans den Satz nicht akzeptieren. Sie klatschten, bis nichts mehr kam und das Licht endgültig ausging.
HAMBURG -Viele Fragen wurden an diesem Abend gestellt. Nach Träumen, Sehnsüchten, der verlorenen Kindheit, nach dem Sinn des Lebens. Und ganz profan auch nach der Umbenennung der Musikhalle:"Wieso habt ihr das zugelassen?" rief Klaus Hoffmann ins Publikum. "Der neue Name klingt wie ein Grippevirus." In der Laeiszhalle also erzählte und sang der 55 Jahre alte Schauspieler, Sänger, Autor und Liedermacher an zwei aufeinanderfolgenden Abenden von dieser Welt.
"gtj", Hamburger Abendblatt, 16.12. 2005.
Melancholie des Gelingens Klaus Hoffmann erinnert sich in der Alten Oper an seine Kindheit und ist ganz "von dieser Welt"
Seit dreißig Jahren, sagt man. Er selbst sagt das in der Frankfurter Alten Oper vor Tausenden. Er kommt da wieder und wieder auf seine Kindheit zurück. Sie gefällt ihm als Reservoir der Inspiration. Sie verhilft ihm bis heute zur perfekten - und kunstnebelfreien - Mitsingmusik: "Ich stamme von einfachen Leuten ab, von Frauen, die ihren Mann standen" - Aber auch: "Die Kindheit war eine Welt, die ich mir selbst schuf." Klaus Hoffmann fehlt zum Alien alles. Von dieser Welt ist er. So heißt außerdem sein neues Album. Was ist ihm eigentlich? Vielleicht dies: Eine Melancholie des Gelingens.
Die Angst, etwas Abgestandenes könnte ihn charakterisieren. Sein Publikum hält das bestimmt für ausgeschlossen. Zumal das weibliche Kontingent ist zur Emphase entschlossen, feminine Einfühlung dominiert die vokale Teilhabe am Geschehen. "Was bleibt?" fragt der Künstler. Sein Feuervogel ohne Zweifel: "Hab keine Angst vor mir mein Lieb - komm, steh vom Rinnstein auf / und geh mit mir ein kleines Stück." Eher verhalten äußern sich Hawo Bleich am Klavier und Stephan Genze am Schlagzeug, Peter Keiser unter anderem am elektronischen Kontrabass und der zu Zeiten furios aufspielende Gitarrist Michael Brandt.
In all dem steckt Bossa Nova. Diese lateinische Flockigkeit bildet den Untergrund von Hoffmanns im Wortsinn alt-klugen Erzählungen. Clownesk erscheint er indes, aber auch abgebrüht - oder womöglich nur versiert? "Gibt es den idealen Hoffmann-Fan?" fragt der Künstler, um sich mit einer solipsistischen Antwort selbst zu schmeicheln. Jeder könnte einer sein, verstünde er nur Außerhalb der Gruft: "Draußen riecht's nach Curry, nach Müll und Mief und Majoran, alles Fremde macht mich störrisch, ich seh mir lieber die Tapeten an."
Klaus Hoffmann leistet seinen Offenbarungseid öffentlich: "Ich hab' mein Leben lang nach einem Halt gesucht." Seine Hoffnung liegt wohl darin, Verständnisvolle für seine Schaukelpartie zwischen vollendeter Poesie und Läppischkeit zu finden. Er kann mit Zustimmung auf jeden Fall bei Leuten rechnen, denen zu seiner Musik mehr einfällt als zu ihren Lebensabschnittsgefährten. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, oder um es wie der Sänger zu sagen: "Damals war ich ein langhaariger Junge mit den Augen eines Killers"
Inzwischen ist er 54. Und noch immer wähnt sich Klaus Hoffmann in einem artistischen Spagat zwischen der Romantik als einem in erster Linie literarischen Topos und dem Chanson. Man fand ihn richtig bezeichnet als "Jacques Brel von der Spree". Vermutlich hat es auch etwas zu bedeuten, dass Reinhard Mey sein Trauzeuge war. Auf jeden Fall scheint der leidenschaftliche Hauptstadtbewohner in seinem Werk die Quintessenz zeitgenössischen deutschen Liedguts im Fokus seiner Aufmerksamkeit zu behalten.
Jamal Tuschick , Frankfurter Rundschau, 30.11.2005.
Die Frauen warteten auf ihn Nostalgie-Trip: Ein Streifzug mit dem Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann durch seine "zweite Heimat" Hamburg. Zum 30. Bühnenjubiläum.
Vor 30 Jahren also lagen eine Außenhandels-Lehre und vier Jahre Schauspielschule am Berliner Max-Reinhardt-Seminar hinter ihm. Vor sich hatte er eine Reise mit dem Käfer nach Afghanistan. Hinter ihm lag auch eine Kindheit in Berlin, mit einem Birnbaum im Garten und einem Vater, der starb, als der Sohn zehn war. Der nächste Mann seiner Mutter hieß Helmut, war Busfahrer und wurde sein Stiefvater. Klaus Hoffmann litt darunter. Mit 16 ging er von zu Hause weg.
Es schmerzte. Und das, was er im Malersaal später sang, war ein Teil davon. "Andere sangen über den Kommunismus, ich über das traurige Mädchen", sagt Klaus.
Klaus. Er ist so ein Typ, ist schnell per du. Inge Meysel hatte er bereits kennengelernt. Sie mochte seine Musik. Sie war einer seiner ersten Fans. "Das war echt schweres Zeug", sagt er. "Ich wollte singen wie die Knef."
Das alles erzählt Hoffmann auf dem Weg zum Thalia-Theater, immer an der Alster entlang. Munter, zu Fuß, in Leinenhose. Am Thalia angekommen, sagt er: "Das ist doch das Schauspielhaus!" Er kennt vom Thalia nur den Bühneneingang. Zwei Jahre lang ist er da rein und raus, als er unter Boy Gobert auf der Bühne den Ferdinand in "Kabale und Liebe" gespielt hatte und im echten Leben schon ein Großer war. Der Junge aus der Hauptstadt, aus der Siedlung mit Helmut, fuhr jetzt einen roten Alfa-Romeo mit einem Lenkrad aus Holz. 27 Jahre alt, blond und romantisch. Die Frauen warteten vor seiner Tür.
Die Frauen kannten ihn damals schon aus dem Fernsehen. 1976 hatte er den Werther in Ulrich Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." gespielt, dafür den "Bambi" gewonnen und die "Goldene Kamera", die wichtigen TV-Preise des Landes. Deshalb der Wagen. Er konnte sich ihn leisten.
Nach Spielschluß hat er sich in den Kneipen die Nächte um die Ohren geschlagen, mit Mike Krüger, Otto Waalkes und den anderen. Und mit Nina. Die mochte er. Die war schön. Was Besonderes. Seine Stimme wird sanft dabei. Ein Romantiker ist er geblieben.
Er mag Hamburg, die Kneipen, eine in Borgfelde, eine am Hauptbahnhof. Die Erinnerungen kommen zurück. Viele farbig, manche grau. Das gehört zu Jubiläen dazu. Am Ende des Rundgangs wird Hoffmann sagen: "Was für ein Film heute!" Er hat Philipp, einen Studenten und Sohn der Buchhalterin, an seiner Seite. Philipp fährt Klaus im Auto herum und trägt seine Tasche. So verdient Philipp sich was dazu, und Klaus erzählt ihm was über die Frauen.
"Ein tolles Theater", sagt Klaus Hoffmann. Er sitzt jetzt auf der Bühne, mit Blickrichtung in den Saal. Die Bestuhlung ist heute eine andere. "Wenn man jünger ist, sieht man größer." Er blickt oft zurück in seinen Liedern und sieht vieles groß, größer. Den Birnbaum, seine Helden von früher: Erroll Flynn, Stan & Olli. Klaus Hoffmann läßt die Beine baumeln, er hört auf zu reden. Er ist einer, der den Moment zuläßt. Vor allem auf der Bühne. Die sei eine überschaubare Welt.
Er hat lange kein Theater mehr gespielt. Mit Reinhard Mey als Trauzeugen hat er vor zwei Jahren geheiratet, Malene (53). Er kennt sie seit 25 Jahren. Mit ihr und einer Katze lebt er in einem Backsteinhaus mit Garten nahe des Glienicker Sees bei Berlin.
Er hat viel geschrieben, an der neuen Platte gearbeitet in letzter Zeit, ab Herbst geht es los auf große Tour. Trotzdem sagt Klaus Hoffmann, er sei Schauspieler geblieben. Er sei alles, ein "Bühnenarbeiter". Wie das Triptychon in der Malerei, drei Flügel, drei Figuren. "Der Schauspieler trägt den Sänger, und der Sänger singt das geschriebene Wort des Schreibers." Andere sagen Liedermacher zu ihm, einen der letzten dieser Zeit. Nennen ihn den "Jacques Brel von der Spree".
Es geht dann weiter Richtung Jungfernstieg, Neuer Wall, Gänsemarkt. Ins Gängeviertel. Da hat Klaus Hoffmann gewohnt. Am Kornträgergang 29, im Dachgeschoß, großer Balkon, und unten warteten die Frauen. Die sind natürlich heute alle weg.
Sie könnten wiederkommen. Er sieht Philipp an, und Klaus Hoffmann sagt: "Du könntest dort einziehen!" Er selbst fährt zurück nach Berlin. Nicht im roten Alpha, im dunkelblauen Mercedes. Malene wartet.
Er feiert dieses Bühnenjubiläum mit einem neuen Album, dem 30. jetzt. Er hat es "Von dieser Welt" genannt. Es ist kein "Best-of-Album", sondern etwas Neues in altem Stil. Es ist jazziger vielleicht, von Trompeter Till Brönner unterstützt. Aber es ist gewohnt sentimental, suchend und mit großen Gesten.
Barbara Hardinghaus, Hamburger Abendblatt, 2.7.2005.
"von dieser Welt" - CD der Woche bei Radio MDR Figaro CD-Rezension und Gespräch mit Klaus Hoffmann im Radio MDR Figaro - das Kulturradio
KLAUS HOFFMANN:
30 Jahre ist er dabei, 30 Alben, 54 ist er mittlerweile. Und wenn er singt auf seinem neuen Album "Wenn die Musik
Eine der zentralen Fragen stellt Klaus Hoffmann gleich im ersten Lied seines neuen Albums: "Warum lieben wir uns nicht." Hoffmann weiß um die Defizite, die es schwieriger machen, auf dieser Welt eine Bestimmung und Erfüllung zu finden. Hoffmann hat immer schon Manifeste gesungen, die das Individuum aufforderten, sich selbst zu lieben und sich selbst zuzuhören.
Und weil Hoffmann das gut kann und in der Tradition der deutschen Romantik ebenso verortet ist wie im Chanson des Belgiers Jacques Brel und weil er wirklich über Gefühle zu singen vermag, stellt man ihn mitunter gerne in eine Ecke mit denen, die Gefühle nur vortäuschen. Das unterscheidet nämlich den Schlager von dem, was Hoffmann, Kunze oder Mey so singen.
Begrifflichkeiten werden da gerne vermischt, aber es gibt weiterhin zu bedenken, dass sacht nicht gleich seicht ist und emotional nicht gleich kitschig, auch wenn uns das Verbalisieren von Gefühlen immer stärker abhanden zu kommen scheint, in Tagen, wo von Künstlern vorrangig gefordert wird, sich tagespolitisch konkret zu äußern.
Deshalb ist das neue Album von Klaus Hoffmann ebenso stark "von dieser Welt“ wie es auch nicht von ihr ist.
Es stimmt schon, was Sie sagen, aber ich würde sagen, dann ist es "von dieser Welt", von der ich aus 13 Lieder erzähle und das ist sicher auch ein Ziehen von der anderen Welt. Es ist von einer besonderen Welt, vielleicht sogar einer gewissen eingeengten Welt, eines oder mehrerer Typen, die Schwierigkeiten haben, aus ihren Unsicherheiten heraus zu kommen.